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Verschiedenes 

NABU: Ziele der EU-Kommission für ein nachhaltigeres Europa bleiben schwach

Tschimpke: Aktuelle Chance vertan, Europawahl im Mai wird wichtig für den Umweltschutz

Brüssel/Berlin – Wenige Monate vor der Europawahl und damit kurz vor Mandatsende wendet sich die EU-Kommission dem Thema Nachhaltigkeit zu, zeigt sich dabei erschreckend unverbindlich und ignoriert bestehende Missstände. Das heute von der EU-Kommission vorgelegte „Reflektionspapier“ für eine nachhaltigere EU bleibt aus NABU-Sicht weit hinter den Möglichkeiten zurück. Die EU-Kommission ist schon seit langem aufgefordert, eine Umsetzungsstrategie für die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) von 2015 vorzulegen, mit verbindlichen Maßnahmen und Zwischenzielen für die verschiedenen Sektoren. Der NABU sieht erheblichen Verbesserungsbedarf beim Schutz von Arten und Lebensräumen, dem Klima und Gewässern.

„Grundsätzlich ist zu begrüßen, dass sich die Kommission dem wichtigen Thema widmet, allerdings viel zu spät. Hier wurde eine echte Chance vertan. Statt die Nachhaltigkeits-Ziele in der Arbeit der EU-Institutionen und der künftigen EU-Kommission fest zu verankern, bleibt es lediglich beim Brainstorming, welche Pfade die zukünftige EU einschlagen könnte, um nachhaltiger zu werden“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Somit verpufften notwendige Impulse für eine schonendere Landnutzung oder auch bei der Rechtsetzung. Dies wäre angesichts der derzeit auf EU-Ebene anstehenden Entscheidungen für den Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) oder die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) dringend notwendig. Absolut nicht hinnehmbar ist der Szenarien-Vorschlag der Kommission, sich allein darauf zu beschränken, den Rest der Welt nachhaltiger zu machen. Dass in der EU großer Handlungsbedarf besteht, zeigt der EU-Fortschrittsbericht, der bei einzelnen Zielen zum Stopp des Biodiversitätsverlustes kaum vorangekommen ist.

„Die Nachhaltigkeitsziele müssen in der EU künftig eine entscheidende Rolle spielen. Sie sollten das Leitbild für Entscheidungen sein“, so Tschimpke. Einhergehen müsse dies mit strukturellen Reformen etwa zur Rechtsetzung, und mit inhaltlicher Neuausrichtung wichtiger Politikfelder wie eben einer umfassenden Landnutzungspolitik. Die von der EU-Kommission eingerichtete Multi-Stakeholder Plattform zur Umsetzung der SDGs hat – unter Beteiligung des NABU –­ aufgezeigt, wie das gehen kann.

Gerade weil es sich „nur“ um ein „Reflektionspapier“ handelt, ist die Debatte noch nicht zu Ende. Daher ruft der NABU alle Bürgerinnen und Bürger auf, am 26. Mai bei der Europawahl wählen zu gehen. Diese Wahl ist wichtig, weil auf EU-Ebene bedeutende Entscheidungen für den Umweltschutz, auch in Deutschland, getroffen werden. Es geht ebenfalls darum, zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume und das friedliche Zusammenwachsen des Kontinents gegen nationalistische und populistische Kräfte zu verteidigen. Deswegen zählt jede Stimme.

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Veranstaltungen 

„Zeichen der Freundschaft“

„Zeichen der Freundschaft“
Five Year Photo Project 1987 © Foto John Wardlaw

Gespräche über Freundschaft versprechen einen ganz besonderen Nachmittag rund um die Ausstellung Like you! Freundschaft digital und analog – mit Snacks und vielfältigen Blicken Über den Tellerrand. Das deutschlandweite Netzwerk wurde 2013 in Berlin gegründet und trägt dazu bei, dass die Integration in die Gesellschaft und soziale Teilhabe von Menschen mit Fluchterfahrung gelingt.

Der Workshop bringt Teilnehmer*innen mit Flucht- und Migrationserfahrung und Beheimatete zusammen und bietet die Gelegenheit sich in kreativer Atmosphäre auszutauschen. Jeder ist herzlich willkommen.

Kultureller Stammtisch mit Werkstatt

Donnerstag, 07. Februar 2019, 17 Uhr

Museum für Kommunikation Frankfurt, Schaumainkai 53, 60596 Frankfurt/Main
Eintritt frei!

Bitte mitbringen: ein Zeichen der Freundschaft

Anmeldung: (069) 6060321 oder buchungen-mkf@mspt.de

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Veranstaltungen 

NABU: Hambacher Wald bleibt, aber für Pariser Klimaziele wird es eng

Tschimpke: Kohleausstiegsdatum muss noch auf den Prüfstand

Berlin – Nach über zwanzig Verhandlungsstunden präsentiert die Kohlekommission einen Kompromiss zur Zukunft der Kohleverstromung in Deutschland. Das Ergebnis kommentiert NABU-Präsident Olaf Tschimpke:

„Das Ergebnis der Kohlekommission weist in die richtige Richtung. Der Hambacher Wald wird nicht mehr für den Braunkohleabbau geopfert werden. Und endlich ist ein definiertes Enddatum für die Kohleverstromung formuliert. Dahinter kann niemand mehr zurück. Die Bundesregierung muss diesem Beschluss nun durch einen gesetzlich verbindlichen Ausstieg folgen. Die jetzigen Enddaten zur Kohleverstromung‚ spätestens 2038 und möglichst 2035, sind aber leider viel zu spät, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erfüllen. Teil des Kompromisses ist alle drei Jahre die Überprüfung, ob die Maßnahmen ausreichen, um die vereinbarten Klimaziele einzuhalten – erstmals im Jahr 2023. Dann muss nachgeschärft und auch das Ausstiegsdatum auf den Prüfstand gestellt werden.“

Außer dem Enddatum für die Kohleverstromung wurde im Kompromiss formuliert, dass bis zum Jahr 2022 12,5 GW installierte Leistung vom Netz gehen sollen und ab 2025 die Kohleverstromung entlang eines definierten Pfades sinken soll. Die zusätzlichen Kosten sowohl für Kraftwerksbetreiber wie auch für Haushalte und Gewerbe sollen kompensiert werden und für den Strukturwandel werden Länder und Regionen zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt.

Autor: Nabu




Verschiedenes 

Klimaschutz ist nicht verhandelbar

Kohlekommission legt Abschlussbericht vor - Die Bilanz ist enttäuschend

Am frühen Samstagmorgen legte die im Juni 2018 einberufene Kommission «Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung», kurz Kohlekommission, ihren Abschlussbericht vor. Vorgesehen ist eine Reduktion der Kohleverstromung von heute 45 Gigawatt auf weniger als die Hälfte bis 2030. Eine belastbare Einigung zur Einführung eines CO2-Preises konnte nicht erreicht werden. Aus Sicht der EWS hat die Kommission ihr Ziel klar verfehlt.

Wenig ambitionierter Ausstiegsfahrplan teuer erkauft

Nach langwierigen und kontroversen Verhandlungen einigte sich die Kohlekommission am Samstagmorgen in ihrem Abschlussbericht auf einen Kohleausstieg bis spätestens 2038. Dieser sieht vor, bis zum nächsten Jahr zusätzlich nur 7 Gigawatt Braun- und Steinkohlemeiler vom Netz zu nehmen; 5,5 Gigawatt gehen ohnehin vom Netz. Bis 2030 sollen dann noch mal rund 12 Gigawatt an Kohlekapazität aus dem deutschen Strommix verschwunden sein.

Die EWS begrüßen grundsätzlich die Einigung über den Einstieg in den Kohleausstieg, kritisieren aber, dass der Kompromiss für die Erreichung der Pariser Klimaschutzziele nicht ausreichend sei. Zudem sei die Zustimmung der Industrie und Kraftwerksbetreiber mit enormen finanziellen Zusagen erkauft worden – einmal mehr zum Leidwesen der privaten Endverbraucher.

Lediglich ein Prüfauftrag zum CO2-Preis

Die EWS fordern gemeinsam mit zahlreichen Unternehmen und Verbänden seit geraumer Zeit die Einführung eines wirksamen, sozialverträglichen CO2-Preises für die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr. Die sektorenübergreifende Bepreisung von CO2-Emmissionen ist nach unserer Überzeugung das effektivste und vernünftigste Instrument, um den CO2-Ausstoß schnell zu verringern. Uns bleibt wenig Zeit, wenn wir die Erderwärmung noch wirksam begrenzen wollen. Leider lagen die Positionen von Industrie und Umweltverbänden in der Kommission so weit auseinander, dass lediglich ein vager Prüfauftrag an die Bundesregierung zur Einführung einer CO2-Bepreisung formuliert wurde. Wir halten dies für ein Armutszeugnis, zumal sich inzwischen selbst große Konzerne klar für die schnelle Einführung einer wirksameren CO2-Bepreisung aussprechen.

Risiken durch Revisionsverfahren

Die Kohlekommission plant für den Kohleausstieg umfassende Revisionsverfahren in 2023, 2026 und 2029. Diese sollen dazu dienen, die Fortschritte zu überprüfen und abhängig von Parametern wie u.a. Versorgungssicherheit, Strompreisniveau und Strukturentwicklung zu entscheiden, ob nachgebessert werden muss. «Wir sehen in diesem Vorgehen die große Gefahr, dass, je nach politischer Gemengelage, der wenig ambitionierte Klimaschutzfahrplan der Kommission noch weiter verwässert werden könnte», so Sebastian Sladek, Vorstand der EWS Schönau eG.

Das Ziel, endlich Planungssicherheit für kurzfristig wirksamen und bedingungslosen Klimaschutz zu schaffen, hat die Kommission klar verfehlt. Klimaschutz ist nicht verhandelbar, deswegen fordern wir, dass ausgeschlossen wird, den Kohleausstieg und andere unumgängliche Klimaschutzmaßnahmen immer weiter in die Zukunft zu verschieben. Das anstehende Klimaschutzgesetz muss an dieser Stelle klarere Vorgaben machen – und zwar auch für die Bereiche Verkehr und Gebäude.

Autor: EWS Schönau




Verschiedenes 

“Das reicht nicht fürs Klima - unser Widerstand bleibt”

Verden/Berlin, 26. Januar 2019. Den Kompromiss der Kohlekommission kommentiert Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz:

“Der Beschluss der Kohlekommission schafft nicht den erhofften Frieden, sondern feuert den Konflikt um die Kohle weiter an. Noch 19 Jahre Kohlekraftwerke am Netz lassen, viel zu langsam aussteigen – das ist fürs Klima viel zu wenig. Das trifft auf den Widerstand der Klimabewegung.

Es ist erfreulich, dass der Hambacher Wald bleibt und der Kohleausstieg beginnt. Das ist ein wichtiger erster Erfolg für den Klimaschutz. Doch trotzdem wird das Klimaziel 2020 auf Jahre verfehlt. Die Kommission hat keine verbindlichen Zwischenziele für den Ausstieg festgelegt. Die Pariser Klimaziele erreichen wir so nicht. Jetzt muss die Klimabewegung weiter kämpfen, um die Bundesregierung für echten Klimaschutz weiter in die Pflicht zu nehmen. Von den Grünen verlangen wir die Zusage, dass sie weit mehr Tempo beim Kohleausstieg aufnehmen, sollten sie an einer Bundesregierung beteiligt sein.”

Campact hat die Großdemonstrationen gegen die Rodung des Hambacher Waldes im Oktober 2018 und die Kundgebungen zum Klimagipfel in Köln und Berlin im Dezember 2018 mit insgesamt über 75.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern maßgeblich mitorganisiert.

Autor: Campact




Verschiedenes 

Weltwirtschaftsforum: Tofu als Baustein, um die Welt besser zu machen

Weltwirtschaftsforum: Tofu als Baustein, um die Welt besser zu machen
Tofu (c) Alnatura

Das Thema Nachhaltige Ernährung ist in der obersten politischen Riege angekommen: Beim Weltwirtschaftsforum in Davos diese Woche beschäftigen sich die Politik- und Wirtschaftslenker auch mit alternativen Eiweißquellen, die eine zukunftstaugliche Ernährung der wachsenden Erdbevölkerung möglich machen. Ganz vorne mit dabei: Tofu.

„Welchen Einfluss hätte es auf das weltweite Ernährungssystem, auf unsere Umwelt und Gesundheit, wenn die Welt einen Wandel vollziehen würde  weg vom Fleischkonsum, hin zu Fleischalternativen?“ Diese Frage steht im Fokus einer 2018 gestarteten Initiative des Weltwirtschaftsforums. Wissenschaftlichen Input liefern verschiedene „White Papers“ der Oxford University, die in alternativen Proteinquellen die Lösung sehen, die Menschheit mit weltweit verfügbarem, nahrhaftem und nachhaltigem Eiweiß zu versorgen. Dabei wird  neben Laborfleisch und unverarbeiteten Nahrungsmitteln wie Nüssen  auch Tofu eine wichtige Rolle zugewiesen. Zum einen ernährungsphysiologisch, denn Soja enthält nicht nur Eiweiß, dessen Wertigkeit mit der von tierischem gleichzusetzen sei, sondern auch andere wichtige Nährstoffe und ist cholesterinfrei. Zum anderen aus Umweltsicht durch den vergleichbar niedrigen CO2-Fußabdruck.

Dass Tofu ein Baustein für die Welternährung der Zukunft sein kann, zeigt die Taifun-Tofu GmbH mit ihren Produkten schon lange: Denn aus einem Kilogramm Sojabohnen fertigt der Traditionshersteller rund zwei Kilogramm Naturtofu. Damit können sich fünf Erwachsene einen Tag lang mit wichtigem Eiweiß versorgen  fünfmal mehr, als würde man das Soja als Futter nutzen und daraus Fleisch herstellen! Tofu bietet die Chance, den zukünftigen Proteinbedarf der Welt effizient, ressourcenschonend und innerhalb der ökologischen Grenzen des Planeten zu decken. Noch dazu über schmackhafte Lebensmittel, wie Taifun mit seinen vielfältig gewürzten Tofu-Spezialitäten beweist – anders, als das leider immer noch weit verbreitete Bild von Tofu glauben lässt. Laut der Oxford University stellt die Umstellung unserer Essgewohnheiten demnach auch die größte Herausforderung dar.

Fest steht: Der hohe Verbrauch an Ackerfläche, Wasser und weiteren Ressourcen bei der Tierhaltung machen ein Umdenken dringend notwendig. Vorreiter der vegetarischen Ernährung, wie Taifun-Tofu, haben das längst erkannt. Dass die Frage nach einer umweltschonenderen Eiweißversorgung nun bei den obersten politischen Entscheidungsträgern angekommen ist, lässt hoffen. Nur, indem die bis Mitte des Jahrhunderts auf geschätzte 10 Milliarden ansteigende Weltbevölkerung mehr und mehr auch auf pflanzliches Protein zurückgreift, können wir das rasante Fortschreiten des Klimawandels eingrenzen.

Taifun-Tofu trägt zum Gelingen dieses Vorhabens aktiv bei: Seit 20 Jahren betreibt die Freiburger Firma Pionierarbeit in Sachen Bio-Sojaanbau – inzwischen bezieht sie ihre Tofu-Sojabohnen zu 100 % aus eigenem Vertragsanbau in Deutschland, Österreich und Frankreich. Weiter engagiert sich der Biohersteller in vom Bund geförderten Projekten, wie der Eiweißpflanzenstrategie und kooperiert intensiv mit Forschungseinrichtungen im Bereich Sojazüchtung. Auf diese Weise hilft das Unternehmen dabei, den nachhaltigen Sojaanbau in Deutschland auszuweiten, insbesondere für die Humanernährung, und die Sojapflanze bekannter zu machen. Mit seiner breiten Produktpalette zeigt Taifun zudem, wie kreativ und genussvoll sich Tofu zubereiten lässt. Und dass er deshalb nicht nur ein toller Beitrag für eine ausgewogene Ernährung ist, sondern auch Spaß macht.

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Veranstaltungen 

Ausstellung "Klimaflucht"

Ausstellung "Klimaflucht"
(c) Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Haus auf der Alb

Im Tagungszentrum „Haus auf der Alb“ in Bad Urach ab 25. Februar 2019 zu sehen

Welche Auswirkungen hat die globale Erderwärmung auf die Fischer im Mekong-Delta? Welche Sorgen haben die Olivenbauern in Griechenland? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich die Wanderausstellung „Klimaflucht“ der Deutschen KlimaStiftung (DKS). Von 25. Februar bis 31. Mai 2019 ist sie Tagungszentrum „Haus auf der Alb“ der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) zu sehen.

Zehn lebensgroße Porträts erzählen in Tonaufnahmen über ihre Schicksale und Sorgen sowie darüber, wie sich der Klimawandel auf ihr Leben auswirkt. Diese realen Geschichten stehen für Menschen aus allen Teilen der Welt. Die Ausstellung bietet darüber hinaus Hintergrundinformationen zu den Auswirkungen des Klimawandels und zur Größe des ökologischen Fußabdrucks in den einzelnen Ländern. Realisiert wurde die Wanderausstellung von der Deutschen KlimaStiftung (DKS) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN).

Die Ausstellung im LpB-Tagungszentrum „Haus auf der Alb“ ist werktags von 9 bis 16 Uhr zu sehen, an Wochenenden von 9 bis 13 Uhr. Nicht zugänglich ist sie am 3. und 14. März 2019 sowie vom 15. bis 22. April 2019. Der Eintritt ist frei.





Verschiedenes 

„Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen!“

35.000 fordern von Ministerin Klöckner eine EU-Agrarreform für Bauern, Tiere und Umwelt

Agrarpolitik der Bundesregierung befeuert Klimawandel und Höfesterben

Eine zukunftsfähige Agrarreform – das fordern 35.000 Menschen bei der „Wir haben es satt!“-Demonstration zum Auftakt der „Grünen Woche“ in Berlin. „Lautstark, bunt und entschlossen haben wir heute Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner einen unmissverständlichen Auftrag gegeben: Schluss mit der falschen Agrarpolitik“, erklärt „Wir haben es satt!“-Sprecherin Saskia Richartz im Namen der über 100 Organisationen, die zur Demonstration aufgerufen haben.

Das Demonstrationsbündnis fordert die Bundesregierung auf, den überfälligen Umbau der Landwirtschaft anzupacken. Die Gelegenheit ist da: Bei der aktuellen Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) entscheidet die Bundesregierung maßgeblich mit, welche Landwirtschaft künftig durch Steuergelder finanziert wird. In Deutschland werden jedes Jahr 6,3 Milliarden Euro an EU-Agrargeldern ausgeschüttet, mehr als drei Viertel davon als pauschale Subventionen je Hektar Fläche. In der Praxis heißt das: Die 3.300 flächengrößten Betriebe erhalten eine Milliarde Euro im Jahr, während die kleinsten 200.000 Bauernhöfe sich knapp 700 Millionen teilen müssen.

„Mit den über sechs Milliarden Euro, die Deutschland jedes Jahr an EU-Agrargeldern verteilt, muss der umwelt- und tiergerechte Umbau der Landwirtschaft gefördert werden”, so Saskia Richartz. “Doch Agrarministerin Klöckner klammert sich an die pauschalen Flächensubventionen wie ihre Vorgänger ans Ackergift Glyphosat. Der Agrarindustrie immer weiter Milliarden in den Rachen zu stopfen ist agrar- und klimapolitischer Irrsinn. Wir fordern: Umverteilen jetzt!”

Beim Demonstrationszug zum Agrarministergipfel schlagen die Demonstranten Alarm für die Agrarwende. Mit ihrem Kochtopf-Konzert fordern sie konsequenten Klima- und Naturschutz, mehr Unterstützung für kleine und mittlere Betriebe, artgerechte Tierhaltung, ein Ende der Dumping-Exporte, gerechten Welthandel und gesundes Essen für alle. Schon am Vormittag hatten die 171 Bauern, die die Demonstration mit ihren Traktoren anführen, eine Protestnote an die 70 versammelten Minister aus aller Welt übergeben.

„Wir haben die Agrarpolitik der Bundesregierung satt. Wir ackern tagtäglich für gutes, enkeltauglich produziertes Essen. Dafür verlangen wir politische Unterstützung“, sagt Moritz Schäfer. Der 32-Jährige ist aus dem hessischen Schwalmtal mit dem Traktor angereist, wo er einen Betrieb mit 100 Kühen und 250 Hektar bewirtschaftet. „Meine Kühe stehen auf der Weide, ich produziere das Futter hier vor Ort und sähe vielfältige Fruchtfolgen. Insekten, Wasser und Klima danken es mir, die Politik aber nicht. Julia Klöckner muss endlich die Interessenvertretung der Industrie beenden und eine Politik für Bauern, Bienen und lebensfähige Dörfer machen“, fordert Schäfer im Namen der Traktorfahrer.

Die Großdemonstration richtet sich gegen die Agrarindustrie, nicht aber gegen Landwirte. Die konventionellen und Öko-Bauern demonstrieren auch im neunten Jahr im Schulterschluss mit Bäckern, Imkern, Köchen, Naturschützern und der Zivilgesellschaft gegen die fatalen Auswirkungen der intensiven industriellen Landwirtschaft. Gemeinsam zeigt das breite „Wir haben es satt!“-Bündnis Wege für eine bäuerliche Landwirtschaft der Zukunft und ein gutes Ernährungssystem auf.

Statements von Rednerinnen und Rednern der Demonstration:

Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland:
„Um unsere Ernährung und die der nächsten Generation zu sichern, müssen wir die biokulturelle Vielfalt bewahren und die kleinbäuerliche Landwirtschaft, handwerkliche Fischerei und Lebensmittelherstellung unterstützen. Gefördert werden darf nur noch, wer soziale und ökologische Leistungen erbringt. Dafür ist ein politischer Kurswechsel unausweichlich.“

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):
„Die europäische Agrarpolitik muss geändert werden. Nur wer Tiere artgerecht hält und unsere Umwelt schützt, soll in Zukunft Geld aus Brüssel bekommen. Wir brauchen ein starkes Europa, das aber ökologisch und sozial gerechter ist und brauchen die Stärkung des EU-Parlaments, damit das auch als Mehrheitswille der europäischen Bevölkerung durchgesetzt werden kann.“

Alina Drach vom ackerfeministischen Treckerblock:
„In landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten knapp 50% Frauen*, ihre Arbeit wird oft nicht gesehen und wertgeschätzt. Wir fordern Chancengleichheit für Frauen* in der Landwirtschaft. Wir sind hier, um zu zeigen, dass wir auch Trecker fahren können und der Kampf für eine gerechte Agrarpolitik nur gemeinsam geht!“

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Bio-Bauer und Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW):
„Immer mehr Landwirte packen den Umbau der Landwirtschaft schon selbst an – nicht nur hunderttausende Bio-Bauern in ganz Europa. Die Politik muss mit der EU-Agrarpolitik die Bauern unterstützen, die Klima und Wasser, Boden und Bienen schützen und unsere Tiere artgerecht halten.“

Janet Maro, Geschäftsführerin von Sustainable Agriculture Tanzania (SAT):
„Deutschland muss in seiner Entwicklungszusammenarbeit auf Agrarökologie statt Agrarindustrie und Grüne Revolution setzen. Wir brauchen bäuerliches Saatgut und keine Hybride. Damit Agrarökologie und bäuerliches Saatgut endlich eine Chance haben, muss Deutschland die Förderung der Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika einstellen.“

Sweelin Heuss, Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland:
„Für Bäuerinnen und Bauern sind Dürre und Starkregen eine besonders existenzielle Gefahr. Die Landwirtschaft kann dem Klimawandel nicht einfach ausweichen. Ich bin froh, dass wir mit der Klimaklage Seite an Seite mit Landwirten für wirksamen Klimaschutz kämpfen!“

Lucia Heigl, konventionelle Milchbäuerin aus Bayern und stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL):
„Wir nehmen die Sorgen und Wünsche der Gesellschaft ernst. Aber dafür brauchen wir faire Preise und eine grundlegend andere Förder- und Marktpolitik in Berlin. Die alte Agrarpolitik haben wir satt.“

Olaf Tschimpke, NABU-Präsident:
„Die aktuelle Agrarpolitik schaufelt ein Grab für Insekten und Höfe – finanziert mit 60 Milliarden Euro Steuergeld. Wir brauchen einen Kurswechsel: Landwirte, die Natur und Klima schonen, müssen besser belohnt werden. Frau Klöckner, befreien Sie sich endlich aus dem Zangengriff der Agrarlobby und machen Sie Agrarpolitik für Bauern und Verbraucher“

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes:
„Eine freiwillige, staatliche Tierwohlkennzeichnung, wie sie Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner plant, darf nicht missbraucht werden, um notwendige Anpassungen im Ordnungsrecht auf die lange Bank zu schieben. Die Kennzeichnung sollte daher dringend in eine Gesamtstrategie eingebettet sein.“

Christoph Bautz, Geschäftsführer der Bürgerbewegung Campact:
„Wir sind hier, damit die 60 Milliarden im Jahr, unser Steuergeld, endlich an die Bäuerinnen und Bauern fließen, die mit ihrer harten Arbeit unsere Kulturlandschaft und die Artenvielfalt erhalten und für gutes Essen sorgen. Gebt denen genug Geld. Aber dreht der Agrarindustrie endlich den Geldhahn zu!“

Klaus Ahrens, Vizepräsident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbunds (DBIB):
„Ob Insektenschutz, Tierhaltung oder Pestizidverbot – die Agrarministerin vertagt den Umbau der Landwirtschaft auf den Kosten von Umwelt, Tier und Klima. Die Zeche bezahlen am Ende die Artenvielfalt und die Verbraucher. Denn Insekten sind nicht nur die wichtigsten Pflanzenbestäuber, sondern sie regulieren auch Schädlinge und dienen zahlreichen anderen Arten als Futter.“

Lea Kliem, Sprecherin des Berliner Ernährungsrats:
„Wir wollen keinen Einheitsbrei von Großkonzernen, sondern schmackhafte Vielfalt auf den Tellern! Die Zeit ist reif für die Ernährungswende. Die Politik zeigt wenig Engagement und so nehmen zivilgesellschaftliche Initiativen wie der Ernährungsrat den Wandel in die Hand. Wir fordern: Ernährungsdemokratie jetzt!”

- Gemeinsame Pressemitteilung des WHES-Bündnis - Berlin, 19. Januar 2019 -

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