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Verschiedenes 

NABU: Natur und Klima sind große Verlierer der Abstimmung zur EU-Agrarpolitik

Miller: Europäischer Green Deal droht zur Bruchlandung zu werden

Berlin/Brüssel. 23.10.2020 - Das Europäische Parlament hat beschlossen, die Agrarpolitik der EU bis 2027 im Wesentlichen unverändert zu belassen. Und das trotz erheblicher Kritik vonseiten der Wissenschaft, einer großen Bewegung aus Klima-, Umwelt- und progressiven Agrarverbänden sowie Sozialdemokraten, Grünen und Linken.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) macht ein Drittel des gesamten EU-Haushalts aus. Die Entscheidung aus Brüssel führt dazu, dass ein Großteil der Steuergelder weiterhin Natur und Klima schädigt, an außerlandwirtschaftliche Grundbesitzer und die vor- und nachgelagerte Agrarindustrie weitergereicht werden. Landwirte, die umsteuern wollen und aufgrund von zunehmenden Auflagen auch müssen, werden so massiv benachteiligt.

"Die Abgeordneten aus CDU/CSU, FDP und ihrer europäischen Schwesterparteien wollen Steuergelder von morgen für eine zerstörerische Agrarpolitik von vorgestern verplanen", so Miller. Zu Recht hätten sich Greta Thunberg und die Fridays For Future-Bewegung mit #VoteThisCAPDown lautstark zu Wort gemeldet. „Hier werden die Chancen unserer Kinder, zukünftig ein gutes Leben mit einer intakten Natur und gesund erzeugten Lebensmitteln zu führen, verbaut", sagte der NABU-Bundesgeschäftsführer.

Der NABU fordert Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf, von ihrem Recht Gebrauch zu machen, die Verhandlungen abzubrechen und einen neuen GAP-Vorschlag zu unterbreiten. „Der derzeitige Entwurf stammt noch von ihrem Vorgänger Jean-Claude Juncker und widerspricht allem, womit sie und ihr Green Deal gestartet sind. Wenn sie diese GAP-Verhandlungen jetzt nicht stoppt, wird der Green Deal keine Mond- sondern eine Bruchlandung – zumindest was die Landwirtschaft betrifft“, sagte Miller.

Die aus der Sicht des NABU wichtigsten Kritikpunkte am Beschluss des EU-Parlaments:

- Verglichen mit dem ohnehin schwachen Vorschlag der EU-Kommission von 2018 will das Parlament die verbindlichen Umweltregeln für die Landwirtschaft schwächer gestalten: Statt der nötigen zehn Prozent auf der gesamten landwirtschaftlichen Fläche müssen Landwirte nur fünf Prozent des Ackerlands für den Naturschutz zur Verfügung stellen. Die wiederum dürfen sogar weiterhin beispielsweise für den Anbau von Leguminosen oder Zwischenfrüchten genutzt werden. Diese Regelungen gelten aktuell auch und haben nur zu insgesamt 1,5 Prozent Naturflächen in der Agrarlandschaft geführt. Ein Fortschritt ist hier also nicht zu erwarten.

- Im Gegensatz zum Agrarministerrat fordert das Parlament zwar zehn Prozent mehr, nämlich 30 Prozent der Ersten Säule, für die Finanzierung von freiwilligen Umweltmaßnahmen (EcoSchemes/Ökoregelungen) zu reservieren. Gleichzeitig enthält die Forderung jede Menge Schlupflöcher, sodass damit auch rein ökonomische Ziele gefördert werden können. Der NABU fordert in Übereinstimmung mit der Wissenschaft, dass die gesamte Erste Säule für gesellschaftliche Leistungen genutzt werden muss.

- Katastrophal für die Chancen der EU klimaneutral und biodiversitätsverträglich zu werden, ist der Standpunkt des Parlaments, dass die Ziele des Green Deal von der EU-Kommission nicht für die Überprüfung der nationalen Umsetzung genutzt werden können. Zwar bekannten sich die Abgeordneten mehrheitlich zu einer Ausrichtung der GAP an dem Pariser Klimaabkommen. Ein verbindliches Reduktionsziel von 30 Prozent bis 2030 bekam dagegen keine ausreichende Unterstützung, weil sich die Europäische Volkspartei und Teile der Liberalen querstellten.








Verschiedenes 

Artenschutz / Internationaler Schneeleopardentag (23.10.)

Artenschutz / Internationaler Schneeleopardentag (23.10.)
Schneeleopard (c) Nabu, Foto: HeikeFinke

Mensch-Wildtier-Konflikte: NABU greift drei verletzte Schneeleoparden in vier Monaten auf

NABU zum Tag des Schneeleoparden: "Lebensraum für Großkatze schrumpft, Bewusstsein in der Bevölkerung wächst"

Berlin/Bischkek, 21.10.2020 - Die Konflikte zwischen Schneeleoparden und Menschen nehmen zu. Diese Beobachtung meldet der NABU zum "Tag des Schneeleoparden" am 23. Oktober und macht zugleich auf die Bedrohung der seltenen Großkatze aufmerksam. "In einem Zeitraum von vier Monaten griff unsere Anti-Wilderei-Einheit in Kirgistan gleich drei geschwächte und durch Menschen verletzte Schneeleoparden auf. Einer davon war von Schrot geradezu zerlöchert", so Thomas Tennhardt, NABU-Direktor Internationales. Die tadschikische Partnerorganisation "ANCOT" meldete in demselben Zeitraum zehn Fälle.

"Mittlerweile leben nur noch 4.000 bis 6.400 Schneeleoparden in freier Wildbahn - und ihr Lebensraum schrumpft", so Katja Kaupisch, NABU-Referentin für Weide- und Wildtiermanagement. "Er wird übernutzt, zerschnitten und immer dichter besiedelt, die Zahl der Beutetiere nimmt ab." Hinzu komme der Klimawandel, von dem nach Einschätzungen des Weltklimarates die asiatischen Gebirge zu den am stärksten betroffenen Regionen der Erde zählen. "Das führt dazu, dass Schneeleoparden immer häufiger in menschliche Siedlungen eindringen, wo Schafe oder Ziegen eine leichte Beute darstellen. Präventiv- oder Vergeltungsangriffe durch Hirten, für die ihre Haustiere oft die Existenzgrundlage darstellen, können schwerwiegende Folgen haben", so Kaupisch.

Die gehäuften Fälle der gemeldeten und sichergestellten Schneeleoparden seien jedoch auch Ausdruck eines gestiegenen Bewusstseins für die Tiere, so der NABU, der seit Anfang der 90er Jahre in Kirgistan für den Schutz der Schneeleoparden aktiv ist. Neben Umweltbildung und der Anti-Wilderei-Einheit unterhält der NABU ein Reha-Zentrum für verletzte Tiere, in dem auch zwei der in diesem Jahr beschlagnahmten Schneeleoparden untergebracht sind. Um den Tieren, die aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder ausgewildert werden können, in Zukunft mehr Platz bieten zu können, plant der NABU im kommenden Jahr den Bau eines neuen Rehabilitations- und Umweltbildungszentrums im Tschüi-Gebiet im Norden des Landes.

Sein Engagement für den Schutz von Schneeleoparden hat der NABU mittlerweile auch auf Tadschikistan, Pakistan und Nepal ausgeweitet, wo der Verband mit Partnerorganisationen gemeindebasiert arbeitet und zum Beispiel durch einbruchsichere Ställe für Haustierherden und einem Versicherungssystem daran arbeitet, Mensch-Tier-Konflikten vorzubeugen und das Image des Schneeleoparden zu verbessern.

Auch auf politischer Ebene macht sich der NABU für den Schutz von Schneeleoparden stark. So kamen 2013 auf Initiative des NABU erstmals alle zwölf Länder zusammen, in denen der Schneeleopard beheimatet ist, um über den Erhalt der Art zu beraten. Die Verbreitungsstaaten verabschiedeten ein Schutzprogramm mit dem Ziel, die 20 wichtigsten Gebiete für den Schneeleoparden unter Schutz zu stellen. Der Tag dieser Verabschiedung, der 23. Oktober, wird seither weltweit als "Internationaler Tag des Schneeleoparden" gefeiert.

Wer den NABU bei der Rettung der Schneeleoparden unterstützen will, kann unter www.schneeleopard.de eine Patenschaft abschließen - zugleich eine attraktive Geschenkidee für Weihnachten.

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Verschiedenes 

NABU: Trendwende adé - Agrarpolitik im Rückwärtsgang

Miller: Agrarminister blockieren Lösungen für Klima- und Artenkrise

Brüssel, 21.10.2020 – Die Einigung der EU-Agrarminister zur künftigen gemeinsamen Agrarpolitik bewertet der NABU als Armutszeugnis für den Klima- und Artenschutz. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller:

„Die Landwirtschaftsminister haben dem Europäischen Green Deal heute eine Kampfansage erteilt. Statt Hunderttausenden Agrarbetrieben bei der Umstellung auf eine klima- und naturverträgliche Zukunft zu helfen, zementieren sie mit Steuergeldern von morgen ein schädliches Subventionssystem von vorgestern. Existenzielle Probleme wie die Klimakrise, Dürren und Insektensterben werden so nicht gelöst. Im Gegenteil: Die Betriebe werden allein gelassen mit unweigerlich steigenden Klima- und Umweltauflagen. Dieser Beschluss ist ein deutlicher Rückschritt gegenüber den viel zu schwachen Reformvorschlägen der Kommission.“
Die ohnehin wenigen Umweltambitionen, mit denen Julia Klöckner die deutsche Ratspräsidentschaft angetreten war, wurden in den Verhandlungen stark aufgeweicht. Aus Angst vor Konflikten mit Interessenverbänden habe die Ministerin den kleinsten gemeinsamen Nenner gesucht – zu Lasten von Natur und Klima, kommentiert Miller. Nach bisherigen Informationen wird es bei den Bedingungen für den Erhalt von Subventionen keine Fortschritte dahingehend geben, dass Betriebe nicht-produktive Flächen für die Biodiversität zur Verfügung stellen müssen. Das allerdings wäre der entscheidende Schlüssel, um bestäubenden Insekten und Vögeln zu helfen. EU-weit schwinden Arten und Lebensräume in atemberaubenden Tempo, wie vorgestern erneut ein Bericht der EU-Umweltagentur unterstrich.

Zwar habe Bundesagrarministerin Julia Klöckner ein Mindestbudget für die sogenannten Öko-Regelungen (Eco-Schemes) von 20 Prozent durchgesetzt, ohne jedoch konkrete Vorgaben zur Wirksamkeit der Maßnahmen zu machen. Im ungünstigsten Fall sollten diese zudem erst ab 2025 greifen, so Miller. Das wäre viel zu spät und deutlich zu wenig für eine echte Trendwende in der Agrarpolitik.

Der NABU hofft nun darauf, dass zumindest die EU-Parlamentarier bei ihren finalen Abstimmungen in den nächsten Tagen noch die Möglichkeit nutzen, die Agrarpolitik klar mit den Zielen des Green Deal und des Pariser Klima-Abkommens zu verknüpfen. Die entsprechenden Anträge stehen voraussichtlich am heutigen Mittwoch zur Abstimmung (AM1199 und AM808).





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NABU: Bundesmarine versagt beim Schutz bedrohter Schweinswale

Untersuchungsbericht von Minensprengungen im Fehrmarnbelt: Mindestens acht Schweinswale getötet

Berlin/Neumünster, 21.10.2020 – Ende August 2019, zur Fortpflanzungszeit der Schweinswale, sprengte ein NATO-Flottenverband unter Beteiligung der Bundesmarine 42 britische Grundminen aus dem Zweiten Weltkrieg im Naturschutzgebiet Fehmarnbelt. Jetzt wurden die abschließenden Untersuchungen zu den Auswirkungen auf streng geschützte und vom Aussterben bedrohte Wale vom Bundesumweltministerium veröffentlicht: Mindestens acht der kleinen Zahnwale wurden getötet. Die Bundeswehr teilte jetzt mit, bis auf Weiteres auf geplante Sprengversuche an einer ausgemusterten Fregatte in der Ostsee zu verzichten.

Der zwischen dem Bundesumwelt- und Bundesverteidigungsministerium abgestimmte Untersuchungsbericht präsentiert niederschmetternde Fakten: Die Minensprengungen im Schutzgebiet Fehmarnbelt, im wichtigsten Fortpflanzungs- und Migrationskorridor für Schweinswale in der deutschen Ostsee, haben zum Tod von mindestens acht streng geschützten Walen geführt. Die Explosionen von jeweils über 300 Kilogramm Sprengstoff führten noch in mehreren Kilometern Entfernung zu tödlichen Verletzungen. Die Schockwelle zerriss Gewebe, führte zu Organ- und Gehörschäden bei den Walen, Experten sprechen von Explosionstraumata. Noch in über 20 Kilometern Entfernung wurde der 2013 zum Schutz von Schweinswalen eingeführte Grenzwert von 160 Dezibel überschritten. Darüber hinaus zerstörten 39 der Explosionen nach europäischem Recht geschützte Riffe in einem Radius von bis zu 30 Metern.

Nach Auffassung des NABU zeigt der Bericht das Totalversagen der Bundesmarine beim Schutz mariner Säugetiere und einen Verstoß gegen geltendes Naturschutzrecht. „Die Bundesmarine muss Konsequenzen ziehen und ihre Einstellung zum Natur- und Artenschutz grundsätzlich überdenken. Das betrifft auch die verbindliche Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen vor unvermeidlichen Sprengungen“, so NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. „Es ist gut, dass nun erste Sprengversuche ausgesetzt und Handlungsleitfäden für die Marine entwickelt werden sollen. Das ist aber längst nicht ausreichend. Unterwassersprengungen müssen grundsätzlich vermieden werden. Wir brauchen dringend eine nationale Strategie zum Umgang mit dem gefährlichen Weltkriegserbe am Grund von Nord- und Ostsee.“

Unterwasserschall ist zur Hauptbedrohung von Schweinswalen in Nord- und Ostsee geworden. „Wir sind beunruhigt über die jüngsten Forschungen, die zeigen, dass viele Wale Schädigungen des Gehörs aufweisen. Ohne ihren spezialisierten Sinn der Echolokation können Wale weder Schiffen noch tödlichen Stellnetzen ausweichen. Das führte im Zeitraum des Untersuchungsberichts zum Tod mindestens zweier weiterer Wale. Wir müssen endlich mehr für den marinen Artenschutz tun“, mahnt NABU-Meeresschutzexperte Dr. Kim Detloff.

Erst am 8. Oktober hatte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) seine aktuelle Rote Liste bedrohter Tierarten herausgegeben. Der Schweinswal gilt in der deutschen Ostsee als vom Aussterben bedroht. Unterwasserlärm durch Sprengungen von Altmunition zählt dabei zu den größten Gefahren für das Überleben der kleinen Wale.

Der NABU appelliert an die Bundesregierung, jetzt die notwendigen Strukturen und Finanzmittel für die strategische und naturverträgliche Bergung von Altmunition bereitzustellen. Ähnlich hatte sich auch die Konferenz der Umweltminister von Bund und Ländern Ende 2019 positioniert. Die Bundeswehr ist aufgefordert, konsequent auf alternative Entsorgungsmethoden für Munitionsaltlasten zu setzen und ihre Sprengversuche nicht ins Ausland zu verlagern.

Das BfN sieht in seinem Untersuchungsbericht zu den Minensprengungen auch das Ziel des günstigen Erhaltungszustands des Schweinswals im Naturschutzgebiet Fehmarnbelt gefährdet. Das müsse auch im Zusammenhang mit anderen Beeinträchtigungen, wie der geplanten Fehmarnbeltquerung, betrachtet werden, so Detloff. Bis Anfang Oktober verhandelte das Bundesverwaltungsgericht über die Rechtmäßigkeit der Baugenehmigung für den Fehmarnbelttunnel.

Hintergrund

Die Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke von Bündnis 90/Die Grünen hatte bereits im November 2019 mit einer Kleinen Anfrage die notwendigen Untersuchungen zu den Minensprengungen im Schutzgebiet zwischen dem 28. und 31. August 2019 ausgelöst. Der NABU hatte eigene Recherchen gestartet und Bundesumwelt- und Bundesverteidigungsministerium zur Aufklärung aufgefordert.

Nach den Sprengungen wurden 41 tote Schweinswale gefunden, von denen 24 obduziert werden und acht dem NATO-Manöver zugeordnet werden konnten. Die Dunkelziffer getöteter Wale kann nach Auffassung des NABU noch höher liegen, da im November weitere Sprengungen in dänischen Hoheitsgewässern durchgeführt wurden.

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Buch- und CD-Tipps 

Buchtipp: Meinhard Miegel "Das System ist am Ende. Das Leben geht weiter"

Buchtipp: Meinhard Miegel "Das System ist am Ende. Das Leben geht weiter"

»Etwas Neues entsteht, und dieses Neue kann besser sein als das nunmehr Vergehende.« Meinhard Miegel

Über Verantwortung in Krisenzeiten

In seinem neuen Buch »Das System ist am Ende. Das Leben geht weiter« analysiert der Sozialwissenschaftler und Bestsellerautor Meinhard Miegel die Systemkrise unserer Zeit – von den vielfältigen ökologischen Problemen über die Rückkehr des Populismus bis zu den Folgen der Corona-Pandemie. In über 40 kurzen wie prägnanten Essays fordert er, über Verantwortung nicht nur zu reden, sondern sie im täglichen Handeln sichtbar werden zu lassen.

Noch nie hat ein System einen so großen Teil der Menschheit in derart existenzielle Bedrängnis gebracht wie das jetzige. Doch viele Menschen wollen nicht sehen, »wie weit der Ast, auf dem wir sitzen, schon angesägt ist«, sagt Meinhard Miegel. Der Autor blickt in Schlaglichtern auf das Zeitgeschehen der letzten vier Jahre, flankiert von zwei begleitenden Texten zu den jüngsten Ereignissen.

Miegel plädiert für eine tiefgreifende kulturelle Erneuerung, eine Kultur des Teilens und der Teilhabe – und kritisiert Hochmut, Gier und den Wachstumswahn unserer Gesellschaft. Mit Sorge blickt er auf den Zustand der Volksparteien, den Raubbau an den Ressourcen oder das Fehlen eines attraktiven Zukunftsnarrativs. Sein Buch legt offen, wo Zukunft unwiederbringlich verloren geht und wo es an Kreativität bei der Krisenbewältigung mangelt. Doch es gibt auch Hoffnung: Erkennen wir, dass unser ausgebranntes System menschengemacht und damit veränderbar ist, eröffnen sich Chancen: das Alte umzugestalten und Neues zu wagen – damit das Leben (gut) weitergeht.

Meinhard Miegel ist Autor zahlreicher Bücher, von denen »Die deformierte Gesellschaft« (2002), »Epochenwende« (2005) sowie »Exit« (2010) und »Hybris« (2014) zu Bestsellern avancierten. Er ist Vorstandsvorsitzender der »Stiftung kulturelle Erneuerung«, Beiratsmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Einrichtungen und ständiger Berater von Politik und Wirtschaft.

oekom Verlag 2020, 160 Seiten, € 18,00 (D), 18,50 (A)
ISBN 978-3-96238-208-7

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Verschiedenes 

NABU: Gewaltiger Rückschritt in der EU-Agrarpolitik zeichnet sich ab

Miller: Arten und Lebensräume drohen zu verschwinden

Brüssel, 20.10.2020 – Am gestrigen Dienstagabend stimmte eine Mehrheit der EU-Abgeordneten gegen grundlegende Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für die Jahre 2023 bis 2027. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller:

„Dies ist ein gewaltiger Rückschritt für den Umwelt- und Klimaschutz. Mit Blick auf die sich weiter verschärfende Klima- und Artenkrise hätte es jetzt eine grundlegende Reform gebraucht. Die EU hätte dafür sorgen müssen, dass auf allen Betrieben ausreichend Raum für die Natur zur Verfügung steht und Landwirte belohnt werden, die klima- und naturverträglich arbeiten. Denn die bittere Wahrheit ist: Mit dem, was heute verabschiedet wurde, droht das Verschwinden vieler gefährdeter Arten und Lebensräume. Auch die Klimakrise duldet keine Kompromisse.“

Die Konservativen, Sozialdemokraten und Liberalen haben einen aus Umweltsicht fatalen Deal durchgesetzt. Besonders schwer wiegt der Beschluss, dass Betriebe nicht verpflichtet werden, produktionsfreie Flächen für die Natur bereitzustellen – obwohl die Wissenschaft dies als Grundvoraussetzung für den Erhalt von Insekten und Feldvögeln ansieht. „Im Vergleich zur letzten Reform gibt es bei diesem Punkt keinerlei Fortschritt“, so Miller.

Nach dem aus ökologischer Sicht katastrophalen Votum bleibt den EU-Abgeordneten bei den finalen Abstimmungen in den nächsten Tagen nur noch die Möglichkeit, für eine klare Verknüpfung der Agrarpolitik mit den Zielen des Green Deal und des Pariser Klima-Abkommens zu sorgen. Die entsprechenden Anträge stehen voraussichtlich am Mittwoch zur Abstimmung (AM1199 und AM808).





Verschiedenes 

Bericht zur Lage der Natur in Europa

EU verfehlt eigene Ziele zur Artenvielfalt

Krüger: EU-Abgeordnete und Agrarminister stimmen diese Woche über Zukunft der Ökosysteme ab

Berlin/Brüssel, 19.10.2020: Die Europäische Union hat ihre vor zehn Jahren gesetzten Ziele zur Wiederherstellung der Biologischen Vielfalt bis 2020 weit verfehlt. Zu diesem Ergebnis kommt der heute veröffentlichte Bericht zur „Lage der Natur“, in dem die Europäische Umweltagentur alle sechs Jahre die offiziellen Berichtsdaten der Mitgliedstaaten zusammenfasst. Aus dem angestrebten Stopp des Artensterbens wurde eine weitere Verschlechterung von fast einem Drittel der untersuchten Tier- und Pflanzenarten sowie wichtiger Lebensräume. Auch die Ziele zur Erholung von zumindest einem Teil der Bestände wurden verfehlt. Die EU-Umweltagentur legt dar, dass die Landnutzung oft die Erfolge des Naturschutzes konterkariert.

„Die heute veröffentlichten Daten zeigen klar: Nur Schutzgebiete und Artenhilfsprogramme werden die Natur nicht retten. Ohne eine Wende in der Landwirtschaft werden wir es nicht schaffen“, so NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. „Die Chance, den Biodiversitätsverlust in der Agrarlandschaft aufzuhalten, besteht jetzt. Jede und jeder Abgeordnete des Europäischen Parlaments muss sich diese Woche bei der Abstimmung zur künftigen EU-Agrarpolitik fragen, ob sie oder er diese Chance verstreichen lassen will. Wer jetzt nicht für eine ökologische Wende im Fördersystem stimmt, macht sich mitverantwortlich für die Naturzerstörung der nächsten Jahre und für die sich fortsetzende ökonomische Misere der Agrarbetriebe.“

In dieser Woche stimmen der Rat der Landwirtschaftsminister der EU und das Europäische Parlament über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) bis 2027 ab. Die GAP bestimmt über die Verteilung von Subventionen in Höhe von fast 60 Milliarden Euro jährlich wesentlich, welche Art der Landwirtschaft sich für Betriebe wirtschaftlich lohnt.

Der EU-Bericht zur Lage der Natur benennt die Intensivlandwirtschaft klar als Hauptverursacherin des Artensterbens. Die auf Ertragsmaximierung ausgerichtete Bewirtschaftung, der Mangel an Hecken, Feldrainen und Brachen, Veränderungen im Wasserhaushalt und der Eintrag von Pestiziden und Düngung rauben vielen Artengruppen Nahrung und Lebensraum.

Besonders gefährdet ist laut Bericht das artenreiche Grünland: Düngung, intensive Beweidung aber auch der Verlust von Wiesen und Weiden werden hier als Hauptprobleme benannt. In der Folge gehen mit den Insektenpopulationen auch die Bestäubungsleistungen stark zurück, von denen große Teile der Landwirtschaft abhängen.

„Die Biodiversitätsziele der EU für 2020 konnten auch deshalb nicht erreicht werden, weil die GAP-Subventionen weiterhin diejenigen Landwirtschaftsbetriebe benachteiligen, die Rücksicht auf Natur und Klima nehmen“, so der NABU-Präsident. „Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments stimmen diese Woche mit der GAP-Reform auch über das Wohl und Wehe unserer Ökosysteme ab. Sie verantworten, ob wir als Steuerzahler künftig eine naturverträgliche Landwirtschaft fördern oder weiter ein sozial, ökonomisch und ökologisch zerstörerisches Rennen um die größten Produktionsmengen zum niedrigsten Preis.“

Der NABU fordert, übereinstimmend mit dem neuen EU-Bericht, einen zehnprozentigen Anteil von nicht-produktiven Flächen und Landschaftselementen in der Agrarlandschaft. Ein Kompromisspapier der konservativen, sozialdemokratischen und liberalen Parteien sieht bisher vor, genau dies nicht zuzulassen.

„Trotz großer Anstrengungen rinnt uns die Biodiversität in Europa durch die Finger, und mit ihr die Basis für gesunde, leistungsfähige Ökosysteme, die uns mit ihren vielfältigen Leistungen auch in Zeiten des Klimakrise zur Verfügung stehen können“, so Krüger.

Hintergrund

Auf der globalen Biodiversitätskonferenz von Nagoya 2010 hatten sich die EU-Staaten verpflichtet, den Schwund von Tieren, Pflanzen und ihren Lebensräumen in Europa bis zum Ende des Jahrzehnts aufzuhalten. In einer eigenen Biodiversitätsstrategie setzte sich die EU ein Jahr später konkrete Etappenziele zur Wiederherstellung der Artenvielfalt. So sollte sich der Anteil der als gut oder sich verbessernd bewerteten Lebensräume verdoppeln, bei den Arten war eine Steigerung um immerhin 50 Prozent vorgesehen. Trotz vieler erfolgreicher Naturschutzprojekte fehlten bis zum Ende des Jahrzehnts noch bis zu einem Fünftel der angestrebten Verbesserungen.

Die EU-Biodiversitätsziele für 2020 sahen im Einzelnen vor, dass…

- für ein Drittel aller EU-Lebensraumtypen ein günstiger oder zumindest sich verbessernder Zustand erreicht würde, realisiert wurde das nur für 22 Prozent. Gleichzeitig haben sich 32 Prozent in den letzten sechs Jahren weiter verschlechtert und nur 15 Prozent aller Lebensraumtypen befinden sich in dem gemäß FFH-Richtlinie anzustrebenden „günstigen Erhaltungszustand“. Grünlandhabitate weisen besonders schlechte Bewertungen auf, die Hälfte von ihnen sind in einem schlechten Erhaltungszustand. Insbesondere die für Bestäuber wichtigen Grünlandtypen sind in einem besonders schlechten Zustand.

- für 80 Prozent aller wildlebenden Vogelarten zumindest ein (vom Aussterben) sicherer Zustand, oder zumindest eine deutliche Verbesserung erreicht wird. Realisiert wurde das nur für 60 Prozent der Arten. Insgesamt nehmen aber weiterhin mehr Vogelarten ab als zu. Der Anteil der Arten in einem sicheren Zustand sank in den letzen sechs Jahren von 52 Prozent auf 47 Prozent.
Dramatisch ist die Situation für die Vogelarten der Agrarlandschaft: Ihr 25-Jahrestrend (Agrarvogelindex) zeigt einen Rückgang von 32 Prozent, ohne jedes Anzeichen von Erholung.

- für 35 Prozent aller anderen von der EU geschützten Tier- und Pflanzenarten ein günstiger oder sich verbessernder Zustand erreicht wird. Dieses Ziel ist nur um zwei Prozent verfehlt worden, was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass sich gleichzeitig bei 31 Prozent aller untersuchten Arten der Zustand verschlechterte. Nur ein gutes Viertel (27 Prozent) aller Arten befindet sich im angestrebten „günstigen Erhaltungszustand“, dagegen 21 Prozent in einem schlechten und 42 Prozent in einem unzureichenden Erhaltungszustand.

Situation in Deutschland

Besonders schlecht sieht es für die Lebensräume aus, insbesondere Grünlandhabitate, die für bestäubende Insekten wichtig sind. In Deutschland sind fast 70 Prozent der von der EU geschützten Lebensraumtypen in einem ungünstigen Zustand (37 Prozent schlecht, 32 Prozent unzureichend).

Deutschland befindet sich unter den Schlusslichtern in der EU, was den Zustand von geschützten Arten unter der FFH-Richtlinie (Pflanzen und Tiere außer Vögel) angeht: Nur sieben EU-Staaten haben mehr als 30 Prozent von ihnen in einem schlechten Erhaltungszustand. Der Wert ist in Deutschland verglichen mit dem letzten Bericht von 29 Prozent auf 33 Prozent sogar gestiegen. Hinzu kommen weitere 30 Prozent in einem unzureichenden Erhaltungszustand, nur 25 Prozent weisen den EU-rechtlich vorgesehenen günstigen Zustand auf.

Insgesamt 25 von 37 Säugetierarten, die laut FFH-Richtlinie besonders schützenswert sind, befinden sich in einem schlechten oder unzureichenden Erhaltungszustand. Nur acht Arten können derzeit ihren günstigen Zustand halten, dazu gehören unter anderem der Baummarder, die Wasserfledermaus und der Biber (nur in der kontinentalen Region).

Bei den Vogelarten haben sich die Bestandsrückgänge in Deutschland in den letzten zwölf Jahren erheblich beschleunigt. In Deutschland nimmt rund ein Drittel aller Vogelarten ab, ein Drittel nimmt zu und ein Drittel bleibt etwa stabil. Zu den Verlierern gehören vor allem die Vögel der Agrarlandschaft, wie Rebhuhn und Kiebitz, die seit 1980 rund 90 Prozent ihrer Bestände eingebüßt haben.





Verschiedenes 

Nachhaltige Schwellenländerfonds

Alternativen für nachhaltig orientierte Anleger

Auch in Schwellenländern wie China, Brasilien oder Indien können Anleger ihr Geld nachhaltig anlegen. Allerdings ist die Qualität selbst der besten Nachhaltigkeitsfonds nur mittel. Das zeigt die aktuelle Untersuchung von sieben aktiv gemanagten Fonds und ETF der Zeitschrift Finanztest.

Viele Anleger versprechen sich von Schwellenländerfonds mehr Dynamik und bessere Renditechancen fürs Depot. Längst arbeiten auch in Schwellenländern viele Unternehmen nachhaltig. Sie stellen Solarglas her, produzieren energiesparende Chips oder kümmern sich um soziale Belange, wie beispielsweise die Förderung arbeitsloser Jugendlicher.

Für die Bewertung der nachhaltigen Schwellenländerfonds vergibt die Zeitschrift Finanztest Punkte. Die Bestnote von fünf Punkten erreichte keiner der getesteten Fonds, auch auf vier Punkte kam keiner. Zwei aktiv gemanagte Fonds und ein ETF schaffen mit drei Punkten immerhin eine mittlere Bewertung. Die drei schließen Investitionen in fossile Energieträger ganz oder zumindest teilweise aus. Die schlechter bewerteten Fonds tun das nicht.

Die Rendite muss auch bei nachhaltigen Schwellenländerfonds stimmen. Auf Fünfjahressicht hat einer der aktiv gemanagten Fonds im Test 11,3 Prozent pro Jahr erzielt. Das ist auch im Vergleich zu konventionellen Fonds spitze. Die meisten anderen Fonds im Test liegen darunter. Aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Risiken, die mit Schwellenmärkten verbunden sind, empfiehlt Finanztest nachhaltige Schwellenländerfonds nur zur Beimischung in ein gut gestreutes Depot.

Der Test Nachhaltige Schwellenländerfonds findet sich in der November-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und ist online unter www.test.de/nachhaltige-fonds abrufbar.

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