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Veranstaltungen 

Autobahn-Protestaktion

Campact verlangt bundesweiten Stopp für neue Autobahnen

4.500 Quadratmeter Banner auf geplanter A20-Trasse entrollt - “Grüne müssen Versprechen halten.”

Berlin/Rastede, 5. Juni 2021. Anlässlich des heutigen bundesweiten Anti-Autobahn-Aktionstags hat die Bürgerbewegung Campact mit einem Riesenbanner nördlich von Oldenburg gegen die geplante Verlängerung der A20 protestiert. Das Banner zeigt mit seinen 4.500 Quadratmetern, wie massiv die 200 Kilometer vierspurige Autobahn intakte Natur und wertvolle Moorflächen zerstören würde. Campact, BUND und die lokale Bürgerinitiative “A20 Nie” fordern einen sofortigen Baustopp für die A20. Campact verlangt zudem den Stopp der 850 Kilometer neue Autobahnen, die insgesamt bundesweit noch geplant sind.

Dazu Christoph Bautz, Vorstand von Campact: “Jeder neue Kilometer Autobahn, der inmitten der Klimakrise noch gebaut wird, überrollt das Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Statt Milliarden in neue Straßen zu verbuddeln, brauchen wir diese dringend für Alternativen zum Auto - für attraktive Bahn- und Busverbindungen und sichere Radwege.”

Mit der Aktion appelliert Campact auch an die Grünen, bei ihrem Parteitag am nächsten Wochenende ein Autobahn-Moratorium ins Wahlprogramm aufzunehmen: “Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock muss ihr Versprechen aus dem letzten Herbst halten und mit Grünen in Regierungsverantwortung das Aus für neue Autobahnen durchsetzen”, so Bautz weiter. Baerbock hatte ein Autobahn-Moratorium als Reaktion auf die Proteste gegen die A49 im Dannenröder Wald gefordert.

Der geplante Streckenabschnitt der A20 ist nicht nur Heimat vieler gefährdeter heimischer Tier- und Pflanzenarten. Es hat durch seine intakten Moorflächen höchste Klimarelevanz als CO2-Speicher.

Hintergrund:
Insgesamt finden das ganze Wochenende über bundesweit mehr als 50 Aktionen gegen neue Autobahnen und für die Mobilitätswende statt.

Der A20-Weiterbau der 214 Kilometer von Oldenburg bis nach Bad Segeberg ist das teuerste Autobahn-Projekt der Bundesregierung: Die Kosten belaufen sich voraussichtlich auf rund 7 Milliarden Euro, ursprünglich veranschlagt waren 3,7 Milliarden. Bisher ist kein Bauabschnitt final planfestgestellt. Gegen den 1. Abschnitt bei Oldenburg läuft bereits eine Klage. Durch den Bau würden 19.000 Hektar unzerschnittene Naturräume zerstört. 80 Prozent der geplanten Autobahn sollen durch intakte oder ehemalige Moorflächen verlaufen. Bedroht sind u.a. Fledermäuse, Moorfrosch, Pirol und Uferschnepfe. Durch die A20 sind zusätzliche Emissionen von 50.000 Tonnen CO2 pro Jahr zu erwarten.








Verschiedenes 

Klima- und Umweltschutz sind für 27 Prozent das wichtigste Wahlthema

Wirtschaftsfragen als zentrales Wahlthema folgen auf Rang drei nach sozialer Ungleichheit

Berlin, 4.6.21 – Das wichtigste Thema bei der kommenden Bundestagswahl ist Klima-, Natur- und Umweltschutz. Dies wurde in einer Online-Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag des NABU ermittelt.

Für rund ein Drittel der befragten Wahlberechtigten (27,5 Prozent) steht demnach der Schutz von Klima und Natur an erster Stelle. Für 23,5 Prozent ist die Lösung von sozialer Ungleichheit am wichtigsten. Wirtschaftsfragen sind für 21,8 Prozent der Befragten von größter Relevanz.

Der Blick auf die Altersgruppen zeigt, für 38 Prozent der 18 bis 29-Jährigen ist der Zustand von Klima und Natur wichtigstes Anliegen. Die Frage der sozialen Ungleichheit ist für 16,1 Prozent der Befragten dieser Altersgruppe entscheidend. Anders bei den 40 bis 49-Jährigen: Hier liegt der Schwerpunkt auf der sozialen Ungleichheit (27,4 Prozent). Für Klima- und Naturschutz als wichtigstes Thema sprechen sich 24,9 Prozent dieser Altersgruppe aus. Nahezu ausgewogen stellt es sich bei den 50 bis 64-Jährigen dar: Hier sind für 24,6 Prozent Klima- und Naturschutzthemen entscheidend. 24,3 Prozent gaben soziale Ungleichheit als Schwerpunkt an.

Civey befragte 10.005 Wahlberechtigte im Zeitraum 28. bis 31.5.2021, welches das wichtigste politische Thema bei der Bundestagswahl ist: Klima- und Umweltschutz, Wirtschaft, Soziale Ungleichheit, Migration, Rente oder keines dieser Themen.





Verschiedenes 

Wecker auf „Wiederherstellung von Ökosystemen“ stellen

NABU zieht positive Projektbilanz: 4.092 Hektar Moor bereits wiedervernässt

Berlin, 3.6.21 – Aufstehen, Moore wiedervernässen, und zwar sofort! Am 5. Juni startet die UN-Dekade „Wiederherstellung von Ökosystemen 2021-2030“. Sie ist der letzte Weckruf, um die Degradierung von Ökosystemen weltweit zu verhindern, aufzuhalten und umzukehren. Mit dem internationalen Moorschutz-Projekt LIFE Peat Restore hat sich der NABU dieser Aufgabe bereits erfolgreich gestellt: Neun internationale Partner haben in Estland, Lettland, Litauen, Polen und in Deutschland auf insgesamt 4.092 Hektar Fläche degradiertes Moor wiedervernässt. Auf dieser Fläche, die fast zwanzig Mal so groß ist wie der Große Tiergarten in Berlin, kann sich nun der Wasserhaushalt stabilisieren und in den nächsten Jahren eine torfbildende Vegetation wachsen. Zugleich wird verhindert, dass aus den Moorgebieten weiterhin drei bis sechs Tonnen CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr freigesetzt werden. Das entspricht dem durchschnittlichen pro-Kopf-Ausstoß von 2.000 bis 4.000 Personen.

„Das Projekt zeigt, dass wir selbst auf überschaubar großen Flächen viel für den Klimaschutz bewirken können. Weltweit bedecken Moore nur etwa drei Prozent der Landfläche. Sie binden aber mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Erde zusammen, die knapp ein Drittel der Landoberfläche bedecken. Wenn es um die CO2-Bindung geht, sind Moore besonders effektive Ökosysteme. Aber nur, solange sie nicht durch intensive Land- und Forstwirtschaft entwässert und Torfabbau zerstört werden“, so NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. „Wir brauchen jetzt deutlich mehr internationale Moorschutz-Projekte wie LIFE Peat Restore, um diesen ‚Superhelden im Klimaschutz‘ mit konkreten Naturschutzmaßnahmen unter die Arme zu greifen. Die Europäische Union strebt bis 2050 an, in allen Sektoren klimaneutral zu sein. Rechnerisch müssten in der EU also jedes Jahr 500.000 Hektar wiedervernässt werden, um degradierte Moore als Treibhausgasquellen ‚abzuschalten‘ oder sie im besten Fall wieder zu Treibhausgassenken zu machen“, so Krüger.

Wie das genau gehen kann, weiß Leticia Jurema. Die NABU-Koordinatorin für das Projekt LIFE Peat Restore blickt auf die bisher abgeschlossenen Maßnahmen zurück: „Um in den nächsten Jahren den gewünschten Klimaeffekt zu erreichen, haben wir in unseren drei Projektflächen in Deutschland vor allem land- und forstwirtschaftliche Entwässerungsgräben mit Baggern systematisch verschlossen. So verhindern wir für die Zukunft, dass das Moor weiter ‚ausblutet‘ und weiter als Treibhausgasquelle fungiert“, erklärt Jurema. Mit 3.340 Hektar liegen die größten Flächen des EU-Projekts in Estland. „Hier haben die Kolleg*innen über einhundert Holzdämme in dem entwässerten Moor gebaut. Auch diese Maßnahmen bewirken, dass der Wasserstand langfristig wieder auf ein natürliches Niveau ansteigen kann.“ Im Dezember dieses Jahres endet das Projekt LIFE Peat Restore nach fünfjähriger Laufzeit. Bis dahin sollen insgesamt 5.300 Hektar Moor wiedervernässt sein.

Der NABU konzentriert sich auf die Wiederherstellung von Ökosystemen in ihren ursprünglichen Zustand und auf die wichtigsten Ökosystemfunktionen wie die Kohlenstoffspeicherung. Die Wiederherstellung erfolgt idealerweise durch die Schaffung von Bedingungen, unter denen sich das Ökosystem aus eigener Kraft erholen kann. Der NABU setzt vor allem auf langfristige Projekte, die durch gezieltes Monitoring, etwa zum Ausstoß und zur Speicherung klimarelevanter Gase, begleitet werden. Neben dem nationalen Leuchtturmprojekt des NABU, der Renaturierung der Unteren Havel, liegt der Schwerpunkt der internationalen Arbeit auf dem Moorschutz in Europa und Waldschutz in Äthiopien sowie Indonesien.

Mit seiner Fläche in Polen gehört das Projekt LIFE Peat Restore zu einer von 50 ausgewählten Initiativen der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Die 1.350 Hektar – aufgeteilt auf drei Moor-Projektflächen – befinden sich im Słowinski Nationalpark in Polen.

Der NABU ist Mitglied des internationalen Moorschutz-Netzwerks „Global Peatlands Initiative“.

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Verschiedenes 

Power2Drive Europe Restart 2021

Power2Drive Europe Restart 2021
© Solar Promotion GmbH

Die neue "Marktübersicht Ladesysteme"

Pforzheim, 01. Juni 2021 – Die Elektromobilität schafft den Durchbruch: Sowohl die führenden Automobiler als auch die Nutzer setzen seit 2020 auf elektrische Fahrzeuge. Die Entwicklung der Ladetechnik folgt diesem Boom: Allein die öffentliche Ladeinfrastruktur in Europa ist 2020 um 35 Prozent gewachsen, das Interesse an privaten Wallboxen in Deutschland ist riesig. Dementsprechend steigt die Zahl der Anbieter ebenso wie die Vielfalt der Produkte. Einen Überblick bietet die neue herstellerunabhängige „Marktübersicht Ladesysteme“ der Power2Drive Europe, der internationalen Fachmesse für Ladeinfrastruktur und Elektromobilität, in Zusammenarbeit mit cosmix – Europas größter Plattform für Ladeinfrastruktur. Seit dem 31. Mai 2021 steht die Marktübersicht mit rund 110 Produkten zum kostenlosen Download zur Verfügung. Eine Vorstellung der Marktübersicht erfolgt am 15. Juni 2021 im Rahmen des Power2Drive Webinars „Durchblick bei Ladesystemen – Marktübersicht und Förderungen“. Innerhalb des Webinars wird zudem die Nationale Leitstelle für Ladeinfrastruktur die aktuellen Fördermöglichkeiten präsentieren.

Der Anteil privater Ladevorgänge wird in den kommenden zehn Jahren weiter überwiegen – und zwar deutlich mit rund 80 Prozent, davon geht die Nationale Leitstelle für Ladeinfrastruktur in Deutschland aus. Lademöglichkeiten zu Hause, beim Arbeitgeber und an Einkaufszentren werden noch stärker gefragt sein. Die deutsche Bundesregierung fördert das und setzt dabei auf zukunftsweisende Kriterien wie die Steuerbarkeit der Ladelösungen und die Verwendung von Strom aus erneuerbarer Energie. Das Förderprogramm erfreut sich großer Beliebtheit: Seit dem Start des Programms Ende November 2020 wurden 385.000 Anträge auf die Förderung von 470.000 privaten Ladepunkten gestellt, sodass das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Anfang Mai bereits zum dritten Mal nachgelegt hat. Die Umsetzung der EU-Richtlinien zur Gebäudeenergieeffizienz sowie das Wohnungseigentumsgesetz (WEG) erleichtern Mietern und Wohnungseigentümern die Installation von Ladetechnik.

Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum systemrelevant

Die Ladetechnik wird perspektivisch im privaten wie auch im gewerblichen Segment vornehmlich AC-gestützt (Alternating Current, Wechselstrom) installiert. Bei gewerblichen Flotten werden auch leistungsstarke DC-Systeme (Direct Current, Gleichstrom) eine Rolle spielen, im öffentlichen Raum sogar ein flächendeckendes Netzwerk bilden. DC-Systeme erlauben es, Ladezeiten gering zu halten und die Ladeplätze effektiv zu nutzen. 150 Kilowatt oder mehr sind die Regel. Die Ladetechnik im Straßenraum wird derzeit vor allem durch Energieversorger finanziert und installiert. Zudem steigt die Zahl der Anbieter von mobilen Hochleistungssystemen etwa für temporäre Veranstaltungen. Diese koppeln Pufferspeicher mit DC-Ladepunkten.

Ähnlich wie Tankstellen heute, werden die Betreiber von Ladeinfrastruktur sowie deren Service Provider in naher Zukunft eine zentrale Rolle in der Mobilität einnehmen – und damit systemrelevant werden. Strom stellt in Zukunft das Äquivalent für Benzin / Diesel dar und wird idealerweise mit erneuerbaren Energien vor Ort erzeugt. Über den grünen Ladestrom wachsen der Energie- und Mobilitätsektor zusammen. Umso wichtiger ist die sinnvolle und effiziente Verteilung des zur Verfügung stehenden Stroms und damit die Einbeziehung der Netze, Gebäude und Fahrzeuge sowie der Stand- und Ladezeiten. Intelligente Ladesysteme mit entsprechendem Energie- und Lastmanagement, sowie einfache Bezahlfunktionen zur Abrechnung des Ladestroms sind notwendig. Insbesondere bei einer größeren Anzahl von Stellplätzen – etwa bei Unternehmen für deren Poolfahrzeuge, Mitarbeiter und Gäste – ist dies entscheidend. „Dabei muss die Autorisierung und Bezahlung für die E-Mobilisten genauso einfach und transparent funktionieren, wie heute das kontaktlose Bezahlen im Supermarkt“, so Jan Hammerschmied, Leiter für Ladeinfrastruktur bei cosmix.

Marktübersicht Ladesysteme macht Lösungen vergleichbar

Orientierung in diesem dynamisch wachsenden Bereich gibt die „Marktübersicht Ladesysteme“ der Fachmesse Power2Drive Europe, die in Zusammenarbeit mit cosmix, der Plattform für Ladeinfrastruktur neu aufgesetzt wurde. Die Marktübersicht ist so aufgebaut, dass sie allen Interessierten – vom Spezialisten bis zum Newcomer im Bereich Ladeinfrastruktur – einen Überblick über technische Daten bietet. Die Marktübersicht liefert Antworten auf Fragen wie: Welcher Stecker, wie viel Ladeleistung und wie viele Ladepunkte werden unterstützt? Ist ein intelligentes Lademanagement vorhanden? Auf welche Weise lassen sich Ladesäule oder Wallbox in ein Gebäude-, Energie- oder Flottenmanagement einbinden? Die Marktübersicht unterteilt hierzu 110 Produkte nationaler und internationaler Hersteller in Ladesäulen und Wallboxen sowohl im AC-(Normalladestationen) als auch im DC-Bereich (Schnellladestationen). Die Produkte werden anhand der Kategorien Ladepunkte, Ladeleistung, Ladeanschluss und -management sowie der Konnektivität zum Backend – also der Kommunikation zwischen Ladestationen und Managementsystem sowie der Netzwerkverbindung – charakterisiert.

Die Marktübersicht steht seit dem 31. Mai 2021 in deutscher und englischer Sprache als Download zur Verfügung. Im Webinar „Durchblick bei Ladesystemen – Marktübersicht und Förderungen“ am 15. Juni 2021 erläutert Jan Hammerschmied, Leiter für Ladeinfrastruktur bei cosmix, die aktuellen Features und Entwicklung des Ladeinfrastruktur am Markt. Im zweiten Teil wird Conrad Hammer, zuständig für die Bund-Länder-Kommunen Koordinierung bei Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur die derzeitigen Fördermöglichkeiten in Deutschland vorstellen. Die Anmeldung und weitere Informationen zum Webinar finden Interessierte hier:
https://www.thesmartere.com/de/home/webinare/kommende-webinare/durchblick-bei-ladesystemen-marktuebersicht-und-foerderprogramme

Die Power2Drive Europe 2021 findet in diesem Jahr vom 06. bis 08. Oktober auf der Messe München im Rahmen von The smarter E Europe Restart 2021 statt. Während des zuletzt geplanten Veranstaltungszeitraums, vom 21. bis 23. Juli 2021, finden die The smarter E Industry Days inklusive der Preisverleihung für den The smarter E AWARD, Intersolar AWARD und ees AWARD 2021 digital statt.

zum Bild oben:
Markus Elsässer, Solar Promotion GmbH und Johannes Brodführer, eliso.
© Solar Promotion GmbH

Weitere Informationen zur Power2Drive Europe Restart 2021 finden Sie im Internet ...

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Verschiedenes 

NABU: 13.000 Tonnen Plastik pro Jahr landen in unseren Böden

NABU-Studie untersucht erstmals die Kunststoff-Emissionen in Landwirtschaft und Gartenbau / Miller: Gesetzgeber muss Einträge in Böden minimieren

Berlin, 31.5.21 – Mehr als 13.000 Tonnen Kunststoffe, insbesondere Mikroplastik, werden jährlich in Deutschland durch landwirtschaftliche Aktivitäten in die Umwelt freigesetzt und verbleiben meist im Boden. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Fraunhofer UMSICHT und Ökopol im Auftrag des NABU. Der größte Anteil, rund 9.500 Tonnen, ist auf Plastik-Verschmutzungen im Klärschlamm sowie in Komposten und Gärresten zurückzuführen. Hier ist die Landwirtschaft Leidtragende der Verschmutzungen durch Dritte – beispielsweise durch Plastikfehlwürfe in der Biotonne oder durch Reifenabrieb und Textilfasern aus dem Abwasser, die in der Kläranlage im Klärschlamm gebunden werden. Zu den 13.000 Tonnen kommen weitere 5.800 Tonnen an Plastikabfällen hinzu, die von außen auf landwirtschaftlich genutzte Flächen geweht werden.

„Während Plastik im Meer und in Gewässern bereits intensiv erforscht und diskutiert wird, fliegt die Plastikverschmutzung von Böden noch unter dem Radar. Mit der Studie präsentieren wir die erste umfassende Untersuchung, auf welchen Wegen und in welchen geschätzten Mengen Kunststoffe in Deutschland über die Landwirtschaft in die Böden gelangen“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Der Großteil der in der Studie identifizierten Emissionen wird direkt in den Boden eingetragen: Mit Plastik verschmutzte Klärschlämme, Komposte und Gärreste sowie mit synthetischen Polymeren bearbeitete Düngemittel, Bodenverbesserer, Pflanzenschutzmittel und Saatgut. Bei einem kleineren Teil der Kunststoffe ist ein Verbleib im Boden nicht beabsichtigt: Agrarfolien können reißen und Kunststoff-Kleinteile wie Pflanzhilfen können zerfallen. So gelangen auch diese Kunststoffe ungewollt in den Boden.

„Die Studie verdeutlicht den Handlungsbedarf: Im Sinne des Vorsorgeprinzips müssen die Einträge von Kunststoff so gut es geht unterbunden werden. Jede Tonne, die reduziert wird, zählt“, so Miller. „Mikroplastik im Boden ist nicht rückholbar und kann Jahrhunderte in der Natur verbleiben. Studien zeigen, dass hohe Konzentrationen an Kunststoff im Boden das Pflanzenwachstum hemmen und Plastikpartikel in Nanogröße von Pflanzenwurzeln aufgenommen werden können. Auch kann Mikroplastik die Bodenfauna, etwa Regenwürmer, schädigen.“

Der NABU fordert kein generelles Verbot der Kunststoffnutzung in Landwirtschaft und Gartenbau, da diese oft auch für den Naturschutz vorteilhaft sein kann, wenn dadurch beispielsweise weniger giftige Pestizide ausgebracht werden oder seltener gedüngt wird. Der NABU sieht die Politik jedoch in der Pflicht, eine Strategie zu entwickeln, um Kunststoffeinträge in die Böden zu minimieren und eine ökologisch verträgliche Nutzung von Kunststoffen in der Landwirtschaft zu erreichen. „Es gibt bereits Verordnungen für Klärschlamm, Düngemittel und Bioabfall, sie werden jedoch nicht ambitioniert genug eingesetzt. Das Düngen mit Klärschlamm muss vollständig verboten werden. Die Grenzwerte für Kunststoffe im Kompost müssen verschärft und die Bioabfallsammlung verbessert werden. Auch sollten Rücknahmesysteme für Folien, die es bislang auf freiwilliger Basis gibt, verpflichtend werden“, fordert Michael Jedelhauser, NABU-Referent für Kreislaufwirtschaft. „Wichtig sind außerdem verlässliche und realitätsnahe Standards für bioabbaubare Kunststoffe, die etwa bei Düngemittel- und Saatgutumhüllungen sowie Mulchfolien Teil der Lösung sein können. Denn zu häufig bauen sich diese bisher unter den realen Bedingungen auf dem Acker oder in der Natur nicht schnell genug im Boden ab.“ Auch für Flockungsmittel aus synthetischen Polymeren, die in der Kläranlage eingesetzt werden und am Ende im Klärschlamm landen, sind strengere Anforderungen an die Abbaubarkeit nötig.

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Veranstaltungen 

NABU-Insektensommer: Das große Krabbeln startet wieder

Zählen, was zählt/Die Natur vor der Haustür besser kennenlernen

Berlin, Mai 2021 – Bald ist es wieder soweit: Eine Stunde lang Insekten beobachten und zählen. Die NABU-Mitmachaktion findet vom 4. Juni bis 13. Juni und vom 6. August bis 15. August bereits zum vierten Mal deutschlandweit statt.

Eine besondere Rolle spielt wie im Vorjahr der Marienkäfer. „Auch wenn fast alle das beliebte Glücksymbol kennen, weiß kaum jemand, dass es in Deutschland etwa 70 Marienkäfer-Arten gibt“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Am häufigsten entdecken wir den heimischen Siebenpunktmarienkäfer und den Asiatischen Marienkäfer. Der wurde erst vor wenigen Jahrzehnten eingeschleppt. Wie weit sich die invasive Art bereits verbreitet hat, soll nun der Insektensommer zeigen.“ Dafür sollen die Teilnehmer melden, wie oft sie den Asiatischen und den Siebenpunktmarienkäfer entdecken konnten.

Beobachten und zählen kann jeder und das fast überall: Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich, Bach oder Fluss. Das Beobachtungsgebiet soll nicht größer sein als etwa zehn Meter in jede Richtung vom eigenen Standpunkt aus. Gezählt wird eine Stunde lang. Gemeldet werden die Beobachtungen per Online-Formular oder die kostenlose Web-App NABU Insektensommer. Beide Meldewege sind unter www.insektensommer.de zum Aktionsstart abrufbar.

Jeder gesichtete Sechsbeiner soll gezählt und gemeldet werden. Jetzt im Frühsommer soll dabei auf einige in Deutschland häufig vorkommende Arten besonders geachtet werden: Steinhummel, Florfliege, Hainschwebfliege, Tagpfauenauge, Lederwanze, Blutzikade und Admiral. „Wer diese Tiere nicht kennt, kann sie ganz einfach mit dem NABU-Insektentrainer (www.insektentrainer.de) unterscheiden lernen“, so Daniela Franzisi, Projektleiterin des Insektensommers. Das Lernprogramm wird von der Firma Neudorff unterstützt. Und wenn man sich bei der Art nicht sicher ist, kann man auch einfach die Gruppe von Insekten angeben, zum Beispiel Schmetterling oder Käfer – hier hilft der Bestimmungsschlüssel im Insektentrainer auch weiter. „Ein warmer, trockener und windstiller Tag ist zum Insektenzählen am besten geeignet“, ergänzt Insektenexpertin Franzisi. „Eine Erkundungstour in die Insektenwelt ist schon auf kleinstem Raum möglich, wie zum Beispiel der Blick in die Blumentöpfe auf dem Balkon.“

Studien zeigen, dass die Insekten in Deutschland deutlich zurückgehen. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und die Ausräumung der Landschaft sind nur einige Gründe für den Insektenschwund. Der NABU engagiert sich seit Jahren für den Schutz der Insekten. Sie sind unverzichtbar für uns Menschen und die gesamte Natur. In unseren Ökosystemen tragen sie unter anderem zur Vermehrung von Pflanzen sowie zur Fruchtbarkeit des Bodens bei.

Die Daten der Zählaktion Insektensommer werden in Zusammenarbeit mit der Plattform www.naturgucker.de erfasst. Die Ergebnisse werden vom NABU ausgewertet und zeitnah veröffentlicht. Im vergangenen Jahr kamen von fast 16.000 Teilnehmer bei beiden Zählungen erstmals knapp 10.000 Meldungen bundesweit zu Sechsbeinern zusammen.

Die NABU-Mitmachaktion wird in diesem Jahr auch von der wohl bekanntesten Biene und ihren Freunden unterstützt. Im Rahmen der Initiative "Die Biene Maja - Projekt Klatschmohnwiese" setzt sich Maja schon seit 2018 dafür ein, Lebensräume für Bienen und andere Insekten zu schaffen. Sie möchte Eltern und ihre Kinder spielerisch über Bienen informieren und ihnen zeigen, was sie für den Schutz der Insekten unternehmen können – zum Beispiel mit der Teilnahme am NABU-Insektensommer.

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Verschiedenes 

Deutschland hat Potenzial: NABU-Studie zeigt Räume für Renaturierung auf

Krüger: Ökosystemrenaturierung zur Priorität machen, Renaturierungsplan schnell entwickeln und umsetzen

Berlin, Mai 2021 – Moore, Flussauen, Wälder und Grünland: Intakte Ökosysteme bieten Lebensräume für viele Arten, können langfristig Kohlenstoff binden und Extremwetter-Ereignisse wie Dürren oder Hochwasser abmildern. Auf mehr als 20 Prozent Bundesfläche – verteilt in ganz Deutschland – ist eine Aufwertung besonders sinnvoll, über die Hälfte davon sind Wälder. Das hat eine Studie im Auftrag des NABU ergeben.

Eine grundsätzlich gute Eignung für Renaturierungsmaßnahmen besteht demnach auf rund 9.300 km² Moorböden (2,6 Prozent der Bundesfläche), rund 3.700 km² in Auen größerer Flüsse (1 Prozent) sowie auf rund 39.800 km² Waldfläche (11,1 Prozent) und rund 24.600 km² Grünlandfläche (6,9 Prozent).

Ein enormer Hebel, um Klimakrise und Artensterben gemeinsam zu adressieren, stellt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger fest: „Die neue Bundesregierung sollte die Wiederherstellung der Natur zur Priorität machen – nicht nur wegen der angekündigten verbindlichen EU-Renaturierungsziele. Es gilt jetzt zügig einen Renaturierungsplan zu entwickeln, ihn ab dem nächsten Jahr mit ausreichender Finanzierung zu hinterlegen und umzusetzen. Mindestens 15 Prozent der Landes- und Meeresfläche müssen für Renaturierungsprojekte vorgesehen werden. Mit der Studie liegt nun auch ein erster Vorschlag für eine mögliche Auswahl von besonders geeigneten Flächen auf dem Tisch. Die Renaturierungsmaßnahmen an sich sind bekannt. Notwendig ist vor allem der Wille der Politik und Behörden.“

Aus Biodiversitätssicht kommt auch der Wiederherstellung von artenreichem Grünland eine herausragende Rolle zu. Bei Mooren und Flussauen lässt sich schon auf relativ kleinen Flächen viel für Biodiversität und Klima bewirken. Über die Studie und ihre Ergebnisse diskutieren NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger und Abgeordnete verschiedener im Bundestag vertretener Parteien im NABU-Online-Talk „Ökosysteme wiederherstellen: Wo und wie kann dies in Deutschland gelingen?“

„Sowohl die künftigen EU-Renaturierungsziele als auch die vom Bundesverfassungsgerichts eingeforderten höheren Klimaschutzziele nehmen Bund und Länder in die Pflicht, sich zeitnah mit dem Thema zu befassen “, so Magdalene Trapp, NABU-Biodiversitätsexpertin. „Die in unserer Studie identifizierten Potenzialräume können als Entscheidungshilfe zur Flächenauswahl genutzt und weiter konkretisiert werden. Zwingend erforderlich ist es für die Umsetzung, dass neben ausreichendem Budget auch das notwendige Personal in der Verwaltung zur Verfügung steht. Außerdem ist es wichtig, dass die wiederhergestellten Lebensräume dauerhaft erhalten und die Fortschritte über ein begleitendes Monitoring erfasst werden.“

Der NABU empfiehlt, in einem nächsten Schritt zu analysieren, wie viele der besonders geeigneten Flächen bereits in staatlicher Hand liegen. Hier könnte vergleichsweise schnell mit der Umsetzung von Maßnahmen begonnen werden.

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Echter Binkelweizen „wächst“ ab sofort in der Arche des Geschmacks

Echter Binkelweizen „wächst“ ab sofort in der Arche des Geschmacks
Binkelweizen: Tiroler Binkel Begrannt (c) Dr. Michael Immendörfer

Binkelweizen ist eine ca. 3.000 Jahre alte Weizenart, die in Süddeutschland, der Schweiz, Österreich (Tirol) und Norditalien angebaut wurde, bevor moderne, ertragreichere Sorten ihn im 20. Jahrhundert fast vollständig verdrängten. Durch wertvolle Eigenschaften wie Genügsamkeit und Robustheit gewinnt er in Zeiten des Klimawandels an Relevanz. Verschiedene Rekultivierungsprojekte setzen sich für seine Wiederentdeckung ein. Das erste Binkelbrot seit 100 Jahren gibt es im Raum Stuttgart.

Echter Binkelweizen ist eine sehr alte Weizenart, die früher in Europa vor allem zum Brotbacken genutzt wurde; ihr Stroh für Flechtwaren. Der Zusatz „Echt“ verweist darauf, dass er weder mit anderen Getreidearten vermischt noch eingekreuzt wurde. Die verschiedenen Varietäten des Binkelweizen sind mittellang und winterfest. Die Ähre, ob begrannt oder unbegrannt, hat kleine Körner und ist kurz und kompakt. Anfang des 20. Jahrhunderts verdrängten Hochzuchtsorten mit teils dreifachem Ertrag alte Landsorten wie den Binkelweizen. Heimische Erzeuger*innen blieben dadurch mit Importware aus dem weltweiten Getreidehandel wettbewerbsfähig. Auch der Binkelweizen wurde so in kurzer Zeit bedeutungslos. Heute wird er kaum noch angebaut, einige seiner Varietäten stehen auf der „Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen“. Es gibt sie nur noch in Genbanken, Museumsgärten und staatlichen Erhaltungsprojekten. Die verfügbare Menge an Saatgut ist klein, Wiederanbauversuche langwierig. Das Wissen um den Anbau fehlt größtenteils.

Auslöser für ein erstarkendes Interesse an den Eigenschaften alter Sorten wie dem Binkelweizen sind u. a. die Folgen des Klimawandels. Die längeren Halme des Binkelweizen etwa speichern im Vergleich zu Hochleistungssorten mehr Wasser. Das ist für eventuelle Dürreperioden von Bedeutung. Auch seine Ansprüche an Klima und Anbau sind insgesamt niedriger. Er ist damit attraktiv für wenig ertragreiche Böden und Schutzgebiete. Er benötigt zudem nur mäßige Düngergaben, um optimale Proteingehalte für die Brotherstellung zu erreichen.

Slow Food Deutschland (SFD) zählt zu den „Schatzbewahrern“, die Menschen entlang der Wertschöpfung miteinander vernetzen, um die Nachfrage nach dem Binkelweizen zu steigern. Mit Erfolg: Das Bäckerhauses Veit bietet im Raum Stuttgart, erstmals seit 100 Jahren, ein Binkelbrot an. Es ist nussig-kräftig im Geschmack. Sobald größere Erntemengen verfügbar sind, soll das Angebot ausgedehnt werden. Weitere Erzeuger*innen planen den Anbau von Binkelsorten als Getreide für Müsli sowie als Mehl für Hobbybäcker*innen. Das Engagement und die Ausdauer derer, die zum Überleben alter Sorten beitragen, beeindruckt und motiviert auch Herbert Steiner in seiner Arbeit. Er ist Mitglied in der Arche-Kommission von SFD: „Es dauert teils Jahre, bis Landwirt*innen überhaupt vermarktungsfähige Erntemengen erreichen. Ich bin sicher, dass sie die nötige Geduld aufbringen, weil sie verstanden haben, dass wir die Vielfalt in der Natur brauchen und, weil sie wissen, dass sie schmeckt.“

Mit der Arche des Geschmacks rettet Slow Food alte Nutztierrassen, Kulturpflanzen und Lebensmittel vor dem Vergessen.

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