Grüne Quellen
Mittwoch, 26. Januar 2022 Uhr

 
ProlixLetter
Mittagstisch
Prolix-Gastrotipps
Prolix-Studienführer
Ökoplus Freiburg
56plus
lesen-oder-vorlesen
wodsch

 

 
Kontakt
Werbung
Disclaimer
Datenschutzerklärung
Impressum
 
Prolix-Verlag

ARCHIV

 

 

Grüne Ökoenergie Atomkraft?
(c) mitwelt.org
 
Grüne Ökoenergie Atomkraft?
Neusprech und Konzernmacht

Die EU-Kommission will Investitionen in Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich einstufen. Das geht aus einem Entwurf für einen Rechtsakt der Brüsseler Behörde hervor, der am Neujahrstag 2022 kurz nach dem Versand an die EU-Mitgliedstaaten öffentlich wurde.
Atomenergie ist die Energiequelle der Atomkatastrophen (nicht nur) von Tschernobyl und Fukushima. Ihre extrem giftigen Abfälle gefährden für eine Million Jahre alles menschliche Leben und es sind neue Atomreaktoren, mit deren Hilfe weltweit immer mehr Länder in den Besitz von Atomwaffen gelangen. Die Entscheidung der EU-Kommission zeigt die Macht der Konzerne und der Lobbyisten in Europa.

Im Jahr 1949 erschien der berühmte Roman „1984“ des englischen Autors George Orwell. Er beschrieb darin eine düster-realistische Zukunftsvision, eine moderne Diktatur, einen Überwachungsstaat als Gedankenregime, in dem der allwissende, allsehende „Große Bruder“ die Macht hat. Eine wichtige Form der Herrschaft in dieser Gedankendiktatur ist die Beherrschung und Manipulation der Sprache.

"Krieg ist Frieden
Freiheit ist Sklaverei
Unwissenheit ist Stärke“
George Orwell

Neusprech, eine Blüte der Desinformation und des Greenwash erleben wir im Zusammenhang mit der Nutzung der Atomenergie auch in Demokratien. Der Begriff Atomkraftwerk wurde von vielen Menschen lange noch mit der Atombombe assoziiert. Darum wurde schon vor vielen Jahrzehnten der harmloser klingende Begriff der "Kernenergie" eingeführt. Aus dem Katastrophenschutz wurde der "Notfallschutz", aus dem Atomunfall das "Ereignis" und Radioaktivität tritt bei einem solchen "Ereignis" nicht etwa unkontrolliert aus, sondern Radioaktivität wird "freigesetzt". Auch auf vielen Wikipedia-Seiten heißt der AKW-Schornstein zur Abgabe von krebserzeugender Radioaktivität immer noch "Abluftkamin". Ein großer Teil der lebensbedrohenden Radioaktivität, die aus dem AKW Fukushima entwich, stammte aus "Abklingbecken". Und mit Neusprech und Greenwash wird uns erklärt, warum wir die menschengemachte Klimakatastrophe mit extrem teuren und gefährlichen Atomkraftwerken bekämpfen sollen, obwohl wir mit Wind und Sonne umweltfreundliche und kostengünstige Problemlösungen haben.

AKW – KKW
Atomkraftwerk – Kernkraftwerk
Plutonium-AKW – Schneller Brüter
Atommülllager – Entsorgungspark
Atomunfall – Ereignis
Atomkatastrophe – bedeutsames Ereignis
Katastrophenschutz – Notfallschutz
Katastrophenschutzbroschüre - Notfallschutzbroschüre
Austritt von Radioaktivität – Freisetzung von Radioaktivität
Entgiftung – Dekontamination
AKW-Schornstein – Abluftkamin

George Orwell war ein realistischer Visionär. Er hat Neusprech, die Gedankendiktatur und den Überwachungsstaat beschrieben. Die Manipulation von Sprache als Mittel der Machtausübung und Unterdrückung ist vermutlich so alt wie die Sprache selbst und sie funktioniert auch in Demokratien. Die Vorentscheidung der EU, Atomkraft zur "grünen Ökoenergie" zu machen, zeigt die Macht der Konzerne und der Lobbyisten in Europa, auch die umweltschädlichsten Gefahranlagen grünzuwaschen. Gegen Neusprech, Propaganda und Greenwash lässt sich in real existierenden Demokratien leichter angehen als in einer Diktatur. Wann, wenn nicht jetzt, sollten wir beginnen, uns gegen die Manipulation der Sprache und des Denkens zu wehren? Hinter dem gut organisierten Manipulationsversuch, Atomenergie grün anzustreichen, steckt die Hoffnung der Konzerne und Lobbyisten, an der Klimakrise viel Geld zu verdienen. Es ist auch die Hoffnung der Mächtigen auf ein zutiefst zerstörerisches "weiter so". Wir erleben gerade das Europa der Macht. Das Europa der Menschen liegt immer noch als Idee und Aufgabe in der Ferne.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, Vizepräsident Trinationaler Atomschutzverband TRAS
(Der Autor war 30 Jahre lang BUND-Geschäftsführer in Freiburg)
Mehr
Eintrag vom: 03.01.2022  




zurück