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Verschiedenes 

Aufgabenträger stellen Weichen für zukünftiges Nahverkehrsangebot in der Region

"Gruppe von Behörden" für angestrebte Direktvergabe der Verkehrsleistung gebildet

Gemeinsame Pressemeldung von Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, Stadt Karlsruhe, Landkreis Karlsruhe, Landkreis Germersheim, Stadt Heilbronn und Zweckverband SPNV Rheinland-Pfalz Süd

In Karlsruhe wurde am vergangenen Dienstag (30. Juli) ein weiterer wichtiger Schritt für den Erhalt des regionalen Zweisystem-Stadtbahnmodells vollzogen. Im Rathaus am Marktplatz unterzeichneten die Aufgabenträger eine rechtliche Vereinbarung zur Bildung einer so genannten "Gruppe von Behörden". Dieses Konstrukt bildet die Voraussetzung für eine angestrebte und mit EU-Recht konforme Direktvergabe der Verkehrsleistung an die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) und die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) – beide erbringen gemeinsam seit 1992 das eng miteinander verzahnte ÖPNV-Angebot.

Zu dieser "Gruppe von Behörden" zählen neben der Stadt Karlsruhe auch das Land Baden-Württemberg, die Landkreise Karlsruhe und Germersheim, die Stadt Heilbronn und der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV).

OB: "Wichtiger Meilenstein für Direktvergabe"

"Wir wollen das erfolgreiche 'Karlsruher Modell' sichern und zukunftsfähig weiterentwickeln. Der heutige Vertragsabschluss stellt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur von uns angestrebten Direktvergabe dar", machte Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup deutlich. "Ein leistungsstarker öffentlicher Nahverkehr bildet das Rückgrat unserer urbanen Mobilität. Das 'Karlsruher Modell', das mit seiner einzigartigen Organisationsstruktur weltweit Maßstäbe gesetzt hat, trägt entscheidend zur hohen Lebensqualität in unserer Stadt und unserer Region bei. Diese Erfolgsgeschichte möchten wir gerne weiter mit der AVG und den VBK fortschreiben", betonte Mentrup.

Rund 170 Millionen Fahrgäste pro Jahr nutzen das umweltfreundliche Nahverkehrsangebot zwischen Heilbronn, Wörth und Baden-Baden mit seinem charakteristischen Stadtbahnsystem. Das "Karlsruher Modell" ermöglicht die Überwindung der Systemgrenzen von Eisenbahn und Straßenbahn. So können die Fahrgäste seit Beginn der 1990er Jahre umsteigefrei die Karlsruher Innenstadt oder Ziele im Umland erreichen. Die Verträge für die Erbringung der Verkehrsleistung durch die beiden kommunalen Verkehrsunternehmen AVG und VBK – beide sind hundertprozentige Töchtergesellschaften der Stadt Karlsruhe – laufen nun aus.

Die Aufgabenträger möchten dieses einzigartige und erfolgreiche Nahverkehrskonzept auch zukünftig in der jetzigen Form erhalten. Damit die Stadt Karlsruhe das Nahverkehrsangebot im Stadtgebiet auch weiterhin durch die VBK sicherstellen kann, soll die Verkehrsleistung ab Dezember 2022 für 22,5 Jahre direkt an die VBK gegeben werden. Bei der AVG, die ihre Verkehre am Oberrhein in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erbringt, soll die Vertragslaufzeit für das Netz 7a mittels der Direktvergabe bis mindestens 2035 fixiert werden.

Landrat Schnaudigel: "Schritt für den Erhalt des 'Karlsruher Modells'"

"Dieses Nahverkehrssystem hat in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten maßgeblich zur positiven wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung der Region beigetragen und genießt weltweit großes Renommee. Der heutige Vertragsabschluss ist ein wichtiger Schritt für den Erhalt des 'Karlsruher Modells'", erklärte Dr. Christoph Schnaudigel, Landrat des Landkreises Karlsruhe.

Bereits im Juli 2017 hatten sich die Stadt Karlsruhe und das Land Baden-Württemberg mit der Unterzeichnung eines Eckpunktepapiers auf die zukünftige Vergabekonzeption geeinigt. Diese sah vor, die umsteigefreie Innenstadtanbindung zu erhalten, wo sie aus Fahrgastsicht vorteilhaft ist. Diese Strecken sollen dann direkt an die AVG vergeben werden, weil die alleiniger Inhaber von Zweisystemfahrzeugen ist. Die Stadt Karlsruhe hat entschieden, dass sich die AVG in dem Teilnahmewettbewerbe für das Netz 7b nicht beteiligen wird. Gleichzeitig werden langlaufende Verbindungen ohne Innenstadtanbindung als klassische Eisenbahnverkehre in den Wettbewerb überführt und europaweit ausgeschrieben.

Im März dieses Jahres hatte sich dann auch der Karlsruher Gemeinderat einstimmig für die angestrebte Direktvergabe ausgesprochen, indem das Gremium einer Veröffentlichung der Direktvergabe-Absicht im Amtsblatt der EU zustimmte.

"Dem Schienenverkehr wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eine wachsende Bedeutung zukommen, wenn wir die Klimaziele, gerade im Verkehrssektor, erreichen wollen. Deshalb benötigen wir in der Region auf beiden Seiten des Rheins ein leistungsstarkes Nahverkehrsangebot, das wir kontinuierlich weiter verbessern möchten, um noch mehr Menschen für den ÖPNV zu begeistern", machte Ministerialdirektor Professor Dr. Uwe Lahl vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg deutlich.

Was 1992 mit einer 30 Kilometer langen Stadtbahnstrecke begann, hat sich in den darauffolgenden zweieinhalb Jahrzehnten zu einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte weiterentwickelt. Inzwischen ist die Streckenlänge des Stadtbahnnetzes auf über 600 Kilometer angewachsen. Durch das 'Karlsruher Modell' konnten auch verhältnismäßig kleine Orte im Umland zu vertretbaren Konditionen an einen leistungsstarken Schienennahverkehr angebunden werden.

Landrat Brechtel: "Starker Motor für die gute wirtschaftliche Entwicklung auf der rheinland-pfälzischen Rheinseite"

Auch der Landkreis Germersheim ist an das dicht getaktete Stadtbahnnetz angeschlossen und bietet seinen Bürgern über die Achse Germersheim-Wörth-Karlsruhe eine schnelle Verbindung in die Fächerstadt. "Der Zweisystem-Stadtbahnverkehr ist ein starker Motor für die gute wirtschaftliche Entwicklung auf der rheinland-pfälzischen Rheinseite und ein bedeutender Standortfaktor für den Landkreis Germersheim. Gerade für die große Zahl an Pendlern, die jeden Tag auf dieser Verkehrsachse unterwegs sind, brauchen wir ein gutes ÖPNV-Angebot, das hat nicht zuletzt die Sanierung der Rheinbrücke gezeigt. Ein gut ausgebauter ÖPNV kann zudem einen wichtigen Beitrag für gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land leisten", erklärte Landrat Dr. Fritz Brechtel, als er heute sowohl als oberster Repräsentant des Landkreises Germersheim als auch des ZSPNV seine Unterschrift unter das Vertragswerk setzte.

Auch für die Stadt Heilbronn bedeutet Mobilität ein wichtiges Zukunftsthema. Die Weinstadt am Neckar ist ein wichtiger Knotenpunkt für mehrere Stadtbahnlinien. "Auch wenn es in Sachen Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit oder den Anschlüssen sicherlich noch Luft nach oben gibt, wollen wir dieses klimafreundliche Angebot weiter mit unseren Partnern fortführen und verbessern", erklärt Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel und verweist in diesem Zusammenhang exemplarisch auf den zweigleisigen Ausbau der Stadtbahnstrecke zwischen Schwaigern und Leingarten oder aber den im Frühjahr mit dem Land Baden-Württemberg besiegelten Mobilitätspakt.

Dr. Alexander Pischon, Vorsitzender der Geschäftsführung von AVG und VBK, begrüßte die heutige Vereinbarung der Aufgabenträger. "Das Vertragswerk markiert nach dem Eckpunktepapier von 2017 einen weiteren wichtigen Meilenstein zur Sicherung unseres Nahverkehrsmodells. Es stellt einen Vertrauensbeweis der Aufgabenträger in unsere Verkehrsunternehmen dar. Zudem ist es auch ein gutes und wichtiges Signal für alle unsere Beschäftigten. Nun gilt es, das komplexe Direktvergabe-Verfahren in den kommenden Monaten zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen."








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EWS bringen erstes Mieterstromprojekt in Berlin an den Start

EWS bringen erstes Mieterstromprojekt in Berlin an den Start
Mieterstromanlage in Berlin / Foto: Silke Reents (c) Elektrizitätswerke Schönau

Gemeinsam mit der BürgerEnergie Berlin eG und der Wohnbaugenossenschaft Neukölln eG haben die EWS ihr erstes Mieterstromprojekt in Berlin an den Start gebracht. Dabei zeichnen die EWS für die Gesamtstromversorgung der Bewohner verantwortlich. Auf die Sonnenernte der neuen Photovoltaikanlage mit 99,8 kWp können 118 Haushalte zugreifen.

Mieterstromtarif zehn Prozent günstiger als Grundversorgung

«Mieterstrom ist in städtischen Gebieten ein wichtiger Baustein für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und wirksamen Klimaschutz. Die Dächer großer Mehrfamilienhäuser bieten ein gewaltiges Potential für die Installation von Photovoltaikanlagen», sagt EWS-Vorstand Sebastian Sladek. Im Rahmen von Mieterstromprojekten können die Bewohnerinnen und Bewohner zudem direkt von dem dezentral erzeugten Ökostrom profitieren, die Verteilnetze werden so entlastet. Beim Mieterstromprojekt in Neukölln liegt der Mieterstromtarif mehr als zehn Prozent unter dem Grundversorgertarif von Vattenfall. Wenn die Sonne nicht scheint oder nicht genug Strom auf dem Dach produziert wird, beziehen die Bewohnerinnen und Bewohner automatisch zertifizierten Ökostrom der Elektrizitätswerke Schönau. Die Stromversorgung ist somit wie gewohnt sicher.

Wichtiger Schritt für bürgereigenen Klimaschutz

Die BürgerEnergie Berlin hat die Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Gebäudekomplexes der Wohnbaugenossenschaft Neukölln geplant, finanziert und gebaut. «Das Mieterstromprojekt ist der Startschuss für die bürgereigene Energiewende in Berlin und ein wichtiger Schritt für mehr bürgereigenen Klimaschutz», sagt Christoph Rinke, Vorstand der BürgerEnergie Berlin eG. Auch die Wohnbaugenossenschaft Neukölln eG ist vom Nutzen des Projekts überzeugt: «Wir wollen mit Mieterstrom Klimaschutz und Preisvorteile für unsere Genossenschaftsmitglieder verbinden», so Vorstand Sami Natal. Sebastian Sladek, Vorstand der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG, legte den Schwerpunkt seiner Rede auf die Bedeutung des gemeinsame Handelns als Kern der genossenschaftlichen Idee: «Wir werden den Herausforderungen des Klimawandels nur durch gemeinsames Handeln begegnen können. Dafür ist dieses Projekt, das drei Genossenschaften gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern realisiert haben, ein sehr gutes Beispiel».

Technische Kennzahlen der Anlage:

Leistung der Photovoltaikanlage: 99,8 kWp.
Damit zählt die Anlage zu den größten PV-Mieterstromanlagen in Berlin.
Jährlicher Ertrag: 84.500 kWh
Eingesparte Menge CO₂: ca. 50 Tonnen/Jahr
Die Haushalte können zu knapp 1/3 direkt vom Dach mit Strom versorgt werden
118 Haushalte können auf das Mieterstromangebot zugreifen
Mieterstromtarif: 26,80 Cent/kWh sowie 7,35 €/Monat Grundpreis, monatl. kündbar
(damit mehr als 10% günstiger als der Grundversorgertarif)

Partner der Mieterstromanlage:

BürgerEnergie Berlin eG
Die BürgerEnergie Berlin plant, finanziert und baut die Solaranlage auf dem Dach des Gebäudekomplexes. Die BEB ist darüber hinaus Ansprechpartner vor Ort für alle Fragen im laufenden Betrieb.

Wohnungsgenossenschaft Neukölln eG
Die GW Neukölln eG stellt die Dachflächen zur Verfügung. Nachhaltig handeln steht seit über 100 Jahren im Mittelpunkt der Wohnungsgenossenschaft. Das erste Mieterstromprojekt der GW Neukölln eG in der Fuldastraße/Ossastraße ist ein wichtiger Schritt für mehr Klimaschutz.

EWS Elektrizitätswerke Schönau eG
Die Genossenschaft EWS Elektrizitätswerke Schönau eG ergänzt mit ihrem zertifizierten Ökostrom den Sonnenstrom vom Dach, wenn die Sonne nicht scheint. So haben die Bewohnerinnen und Bewohner wie gewohnt rund um die Uhr eine sichere und zuverlässige Stromversorgung.





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NABU trauert um Hermann Hötker

Miller: Großer Verlust für die Naturschutzforschung in Deutschland – Hermann Hötker leitete seit 2001 das Michael-Otto-Institut im NABU

Berlin/Bergenhusen – Mit großer Bestürzung hat der NABU den Tod des Leiters des Michael-Otto-Instituts im NABU, Dr. Hermann Hötker, aufgenommen. Deutschland verliert einen seiner besten Kenner naturschutzbezogener Forschung und einen der renommiertesten Ornithologen in Deutschland. Dr. Hermann Hötker starb am 24. Juli 2019 nach längerer Krankheit im Alter von nur 60 Jahren.

Seit 2001 leitete Hermann Hötker das vom NABU geführte Institut im schleswig-holsteinischen Bergenhusen. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass das Institut heute als eine der herausragenden Forschungseinrichtungen im angewandten Naturschutz gilt.

Verdient gemacht hat sich Hermann Hötker insbesondere um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Auswirkungen von Windkraft und Biomasse auf die Vogelwelt. Darüber hinaus forschte er zum Schutz von Vögeln in der Agrarlandschaft. In enger Kooperation mit Landwirten entwickelten er und seine Mitarbeiter Maßnahmen, um bedrohten Vögeln wie den Kiebitz, langfristig das Überleben in der modernen Agrarlandschaft zu sichern. Zudem trug er mit der Erforschung von Küstenvögeln wie dem Seeregenpfeifer maßgeblich dazu bei, dass diese Arten an Nord- und Ostsee besser geschützt werden können.

„Wir sind tief erschüttert. Der NABU verliert mit Hermann Hötker einen anerkannten Wissenschaftler, engagierten Naturschützer, geschätzten Kollegen und einen treuen Weggefährten und für viele auch einen persönlichen Freund. Mit seiner fachlichen Expertise und seinem unermüdlichen Einsatz hat er den Naturschutz in Deutschland maßgeblich vorangebracht. Unser Mitgefühl gilt in diesen schweren Stunden seiner Familie“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

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Studie belegt: Gute Milch lohnt sich

Studie belegt: Gute Milch lohnt sich
Auf das System kommt es an - Handwerk statt Industrie (c) Holger Riegel

Wie können Milch und Milcherzeugnisse „gut, sauber, fair“ erzeugt, verarbeitet und vertrieben werden? Mit dieser Frage setzte sich Slow Food Deutschland zwei Jahre lang intensiv auseinander. Die Ergebnisse stellt der Verein in seiner neuen Studie "Umweltgerechtigkeit und Nachhaltigkeit in der Milchwirtschaft - Gute Praxisbeispiele für sozial-ökologisch innovative Betriebsformen" vor. Umgesetzt wird jetzt eine digitale Landkarte, die Verbraucherinnen und Verbrauchern den Zugang zur guten Milch erleichtert.

In dem vom Umweltbundesamt geförderten Projekt „Umweltgerechtigkeit und Nachhaltigkeit in der Milchwirtschaft“ hat Slow Food Deutschland in bundesweiten Workshops gemeinsam mit Milchbauern, Händlern, Verarbeitern, Wissenschaftlern und Verbrauchern entscheidende Kriterien und Rahmenbedingungen für die „gute“ Milch definiert. Eine solche Milch kommt in Erzeugung, Weiterverarbeitung und Vertrieb den Menschen und Tieren sowie der Umwelt gleichermaßen zugute. Praxisbeispiele aus Nord-, Ost-, Süd- und Westdeutschland belegen, dass eine auf Grundfutter basierte Milcherzeugung trotz reduziertem Leistungsniveau der Kühe wirtschaftlich erfolgreich sein kann und zudem die Biodiversität und das Klima schützt. Neben einer an den Boden, das Grundfutter und die Weide gebundene Milcherzeugung sind verkürzte Produktionsketten und Vertriebswege entscheidende Voraussetzungen für eine verantwortungsvolle Milchwirtschaft. Ausschlagend ist natürlich auch der faire Preis: Eine solche Milch kann nicht zu Dumpingpreisen von weit unter einem Euro angeboten werden. So etwas ist außerhalb von Massenproduktion schlichtweg nicht zu finanzieren.

Dazu Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland: „Die Ergebnisse untermauern unsere Forderung nach dem Ende einer Milchwirtschaft, deren Produktionsmengen unsere Nachfrage an Milch übersteigt, die Preise entsprechend drückt und Überschüsse exportiert. Ein System also, in dem es keineswegs ums Tier- und Menschenwohl, geschweige denn um Geschmack und Qualität geht. Von kaum einem Grundnahrungsmittel haben wir uns so stark entfernt wie von der Milch. Als Organisation möchten wir künftig die Erzeugerinnen und Erzeuger, die die Kriterien von ‚gut, sauber, fair‘ erfüllen oder auf dem Weg dahin sind, noch gezielter unterstützen. Denn auch wenn es kein einfacher Weg ist, so ist es ein gangbarer“. Um den Ergebnissen der Studie eine praktische Relevanz zu geben und Verbraucherinnen und Verbraucher an Landwirtinnen und Landwirte sowie Handwerkerinnen und Handwerker zu bringen, die Milch und Milcherzeugnisse gemäß den Kriterien der Studie erzeugen, wird Slow Food in den kommenden Monaten eine Art Landkarte realisieren. Sie wird auf der Webseite des bundesweit tätigen Vereins veröffentlicht. Darauf werden Milchviehbetriebe, handwerklich arbeitende Käsereien und lokale (Genossenschafts-)Molkereien verzeichnet sein.
Auch die Aufklärung der Menschen kann zukunftstaugliche Milcherzeugung vorantreiben und steht deswegen weiterhin oben auf der Slow-Food-Agenda. „Was den Menschen heute als frische Milch vorgesetzt wird ist ein Witz. Selbst die sogenannte ESL-Milch, die länger haltbar gemachte Milch, kann als ‚frische‘ Milch verkauft werden. Dabei ist an ihr rein gar nichts mehr frisch. Sie nützt einzig dem Handel und der Industrie, die mit ihrer Hilfe lange Lieferketten und Vorratslagerung bewerkstelligen. Es ist daher an uns, den Geschmack, die Qualität und die Vorteile von wirklich frischer Milch zu vermitteln. Wir möchten die Wertschätzung für sie wecken, damit sie nachgefragt und verkauft wird“, erklärt Hudson. Und frisch ist für Slow Food naturbelassene (Roh-)milch, Vorzugsmilch und pasteurisierte Milch, nicht aber hoch verarbeitete Produkte wie H- und ESL-Milchen.

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Fleischersatzprodukte: Gutes Gewissen im Kühlregal?

Noch während der laufenden Grillsaison wetteifern kapitalintensive Unternehmen weiter um die beste Fleischalternative für Grill und Burger. Der Hype um vegane Patties hat seit dem Beyond Burger neue Ausmaße angenommen und Fleischersatz wird aufgrund der Debatten um Klimawandel und Tierwohl ein immer lukrativeres Geschäft. Ab August bringt auch Aldi einen neuen veganen Burger auf den Markt. Slow Food sieht darin eine Gewinnmaximierung durch gutes Gewissen - langfristige Lösungen hingegen bleiben aus.

Der Markt für Fleischersatzprodukte wächst seit Jahren und floriert weiter. Jüngst angeheizt haben ihn amerikanische Unternehmen wie Beyond Meat, die eine neue Ära des veganen Bratlings einläuteten. In Textur, Optik und Geschmack ahmen diese Fleisch täuschend echt nach und sollen damit vor allem Fleischesser davon überzeugen, ihren Fleischkonsum drastisch zu reduzieren. Aldi zieht jetzt nach und stockt sein Sortiment mit dem veganen „Wonder Burger“ auf, dessen Hauptbestandteile Sojaprotein, Kokosöl und Maisstärke sind.

An diesem Ersatz-Trend kritisiert Slow Food, dass hoch verarbeitete Produkte wie diese als Nahrungsmittel grundsätzlich problematisch sind und den Menschen außerdem immer weiter vom Ursprung seiner Grundnahrungsmittel entfernen. Der Ersatz stille außerdem in erster Linie das schlechte Gewissen der Menschen. Das konsequente Umdenken verbunden mit der Einsicht, dass kein Lebensmittel in unverhältnismäßigen Mengen konsumiert werden dürfe, bleibt aus. Dazu Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland: „Diese neuen Produkte bringen die Ur-Slow-Food-Frage nach dem Ursprung unseres Essens wieder auf den Tisch. Die alles entscheidenden Fragen sind auch hier, aus welcher Art von Landwirtschaft das Soja, der Mais und die Kokosnuss kommen und ob sie sozial und ökologisch verantwortungsvoll erzeugt und weiterverarbeitet wurden. Letzteres wage ich aufgrund der industriellen und kapitalintensiven Strukturen unserer Nahrungsmittelbranche zu bezweifeln. Denn hier entscheiden Menge und Preis“.

Den Fleischkonsum drastisch zu reduzieren ist auch aus Sicht von Slow Food längst überfällig. Alles Tierische per se zu verschmähen greift dem Verein jedoch zu kurz. „Wir brauchen Wiederkäuer, die wir auf Wiese und Weide tier- und artgerecht als Teil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft halten. Sie unterstützen uns dabei, die Bodengesundheit und die Artenvielfalt zu erhalten und das Klima zu schonen“, so Hudson. Beim Genuss tierischer Erzeugnisse motiviert der Verein Verbraucherinnen und Verbraucher zu einem gesunden Mittelmaß zurückzufinden. So auch Sebastian Junge, Mitglieder der Slow Food Chef Alliance und Besitzer des Restaurants „Wolfs Junge“ in Hamburg: „Wir brauchen keinen Ersatz für den haltlosen Konsum von Fleisch, sondern viel weniger aber dafür gutes Fleisch. Und wir brauchen die Wertschätzung grandioser vegetarischer Speisen, die keinen vermeintlichen Fleischmangel kompensieren müssen“. Solche Speisen können selbst zubereitet werden und zwar aus wertvollen Proteinquellen wie Linsen, Bohnen und Erbsen sowie saisonalem Gemüse aus der Region, erzeugt von ökologisch arbeitenden Landwirtinnen und Landwirten.

Ein Rezept für selbstgemachte Gemüsefrikadellen von Sebastian Junge finden Sie online ...

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Insektensterben, Bauernsterben & Volksbegehren Artenschutz

Insektensterben, Bauernsterben & Volksbegehren Artenschutz
Quelle: BUND Südlicher Oberrhein

Stuttgart. Heute am 26. Juli 2019 werden der Antrag auf das Volksbegehren Artenschutz - “Rettet die Bienen” und die erforderlichen Unterschriften dafür beim Innenministerium Baden-Württemberg eingereicht.

Insektensterben
Das Wissenschaftsjournal PLOS ONE veröffentlichte 2017 die Studie „More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas“. Diese bestätigt die massive Insektensausrottung in Deutschland. Zahlreiche ehrenamtliche Entomologen hatten wissenschaftliche Daten zwischen 1989 und 2015 an über 60 Standorten gesammelt und die Ergebnisse sind mehr als erschreckend. Sie müssen auch im Zusammenhang mit dem bedrohlichen globalen Artensterben gesehen werden.

Bauernsterben
Seit 1949 sind in Baden-Württemberg 75 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe aus der Land- und Forstwirtschaft verschwunden. Bundesweit gab es einen Rückgang von 196.568 Betrieben oder 42 Prozent innerhalb der letzten 17 Jahren. Und mit den kleinen und mittleren Betrieben sterben auf größer werdenden Äckern auch Bäume, Hecken, Insekten, Vögel und jede Art von biologischer Vielfalt. Die Landwirtschaft in Baden-Württemberg konkurriert auf einem weltweiten Agrarmarkt im Rahmen der Globalisierung und des Freihandels mit Ländern wie Kanada. Unsere in kleinen Teilen immer noch erfreulich kleinräumige Landwirtschaft (insbesondere in Südbaden) verkauft teilweise auf dem gleichen Markt wie die giftdominierte großindustrielle Landwirtschaft in den USA. Auch in Nord- und Ostdeutschland dominiert eine politisch gewollte, industrielle, massiv umweltzerstörende Landwirtschaft. Wir sind auf dem Weg zur großen, globalen Agrarfabrik mit Gift und Gentechnik und gefährden Mensch und Natur. Wenn nur noch der Preis und der „freie Markt“ zählen, wenn eine verfehlte EU-Agrarpolitik nur die großindustrielle Landwirtschaft und Agrarfabriken unterstützt, wenn die Bauernverbände in Baden-Württemberg diese Zusammenhänge nicht erkennen wollen, dann haben Insekten, Vögel, Hecken, Grundwasser, aber auch die Mehrzahl der Landwirte in Baden-Württemberg selbst keine Chancen.

Die Naturschutzbewegung und das Volksbegehren sind nicht die Feinde der Landwirtschaft, sondern potentiell Verbündete einer insektenfreundlichen, grundwasserfreundlichen, naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und zukunftsorientierten Landwirtschaft. Wir müssen den Wachstumswahn brechen und die Globalisierung menschengerecht und nachhaltig gestalten. Dazu braucht es nicht nur ein Volksbegehren, sondern eine andere Agrar- und Subventionspolitik als die von CDU, CSU, FDP und der Europäischen Kommission. Und die Landwirtschaft braucht endlich auch gute Preise für gute, umweltschonend erzeugte Produkte.

Was jetzt langsam anläuft ist die gut organisierte PR-Kampagne gegen das Volksbegehren
Das Volksbegehren greift die finanziellen Interessen der großen Agrochemie-Konzerne massiv an. Es stört den Traum der Politik und der Konzerne von der ständig wuchernden, großen, globalen Agrarfabrik.
Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden solche Konflikte direkt zwischen Umweltbewegung und Konzernen ausgetragen, doch die PR-Strategien haben sich geändert. Heute schieben Bayer, Höchst & Co. industriegelenkte Initiativen, Stiftungen und Kleinbauern vor, um im großen Streit nicht selber öffentlich in Erscheinung zu treten. Ängste werden geschürt und einzelne Landwirte und Öko-KritikerInnen des Volksbegehrens gezielt in die PR-Kampagnen eingebaut. Das Volksbegehren weckt "gut organisierte" aber auch durchaus nachvollziehbare Sorgen in der von allen Seiten massiv bedrängten Landwirtschaft. Hier gibt es eine "Bringschuld" der Initiatoren des Begehrens, diese Sorgen ernst zu nehmen. Die Debatte um das Volksbegehren sollte genutzt werden um die dringend notwendige Debatte zwischen Umweltbewegung und Landwirtschaft zu intensivieren, und nicht um Gräben aufzureißen. Gemeinsam sollten nicht nur auf Baden-Württemberg schauen. In Brüssel wird über Milliardensubventionen für die Landwirtschaft entschieden. Mit diesem Geld könnten Bauern und Bienen gerettet werden.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer

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Freiburg: Solarkraftwerk Eichelbuck erweitert

Wichtiger Beitrag zum regenerativen Energiekonzept der Stadt

Im nördlichen Mooswald, auf der 60 Meter hohen Deponie Eichelbuck, befindet sich seit 2011 Freiburgs größte Photovoltaikanlage. Ihre installierte Leistung von 2,6 Megawatt Peak (MWp - elektrische Leistung von Photovoltaikanlagen) deckt den Jahresbedarf von über 1.000 Haushalten. In den letzten Monaten wurde die Anlage mit finanzieller Unterstützung aus dem städtischen Klimaschutzfonds um 1.350 Solarmodule erweitert und ihre Kapazität auf rund 3 MWp gesteigert. Damit lassen sich weitere rund 200 Haushalte mit klimafreundlich erzeugtem Strom versorgen.

„Wenn wir beim Klimaschutz spürbar vorankommen wollen“, so Oberbürgermeister Martin Horn, „müssen wir unsere Anstrengungen vervielfachen – auf internationaler, europäischer und auf nationaler Ebene. Dafür braucht es entscheidende Impulse von den Kommunen und von den Menschen vor Ort. Unsere ehemalige Hausmülldeponie in ein leistungsfähiges Solarkraftwerk zu verwandeln, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Regenerative Energieerzeugung fördern und damit aktiv den Klimaschutz voranbringen – diesen Zielen haben sich die Stadt Freiburg, badenovaWÄRMEPLUS und die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg verschrieben. Als weithin sichtbares Gemeinschaftsprojekt wurde 2011 auf der stillgelegten Hausmülldeponie das Solarkraftwerk als bedeutendes Freiburger Leuchtturmprojekt installiert. „Die Erweiterung unserer Anlage bedeutet ein weiteres Plus für den Energieberg Eichelbuck“, sagt Michael Broglin, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft ASF Solar GmbH & Co. KG. Die ASF Solar wurde 2010 als Tochtergesellschaft von ASF und badenovaWÄRMEPLUS gegründet, um auf dem städtischen Betriebshof St. Gabriel Freiburgs damals zweitgrößte Solaranlage zu installieren.

Ende 2018 begannen die Arbeiten, um weitere rund 2.050 Quadratmeter Modulfläche im oberen Hangbereich der Deponie zu verankern. Mit einer zusätzlichen installierten Leistung von 423 Kilowatt peak beträgt die Gesamtleistung der Anlage nun rund 3 MWp, damit wird bei Freiburger Einstrahlungsverhältnissen mit einer jährlichen Sonnenstromproduktion von 3 Millionen Kilowattstunden (kWh) gerechnet. Verantwortlich für die Planung und den Bau der Anlage ist badenova WÄRMEPLUS.

Die Anlage ist Bestandteil eines Projektes zum Stadtjubiläum: bis zum 900-jährigen Jubiläum möchte die Stadt Freiburg auf eigenen Liegenschaften 900 kWp an neuen PhotovoltaikAnlagen auf städtischen Liegenschaften errichten. Zu diesem Ziel werden auch Schulen, die Dachflächen von Flüchtlingswohnheimen und Feuerwachen beitragen. Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik betont: „Mit der Erweiterung am Eichelbuck leistet Freiburgs ehemalige Hausmülldeponie einen erheblichen Beitrag zum regenerativen Energiekonzept der Stadt. Insbesondere die effizienten Freiflächenanlagen sind im dichtbesiedelten Stadtgebiet sehr schwer zu realisieren. Hier hilft nur eine Mehrfachnutzung von Flächen und der Eichelbuck ist ein Paradebeispiel: Es werden auf einer Fläche fachgerecht Abfälle entsorgt, brennstoffgeführt Energie aus Deponiegas erzeugt, und brennstofffrei Solarstrom erzeugt!“

Schon seit 1991 wird am „Energieberg“ Deponiegas nutzbar gemacht und seit 2010 mit Biogas aus der Vergärungsanlage der Firma Remondis gemischt. Im Blockheizkraftwerk der badenovaWÄRMEPLUS in Landwasser entstehen daraus große Mengen erneuerbarer Energie: Strom für rund 4.900 Haushalte und Wärme für 1.200 Wohnungen.





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NABU: Naturnahe Wälder sind Verbündete im Kampf gegen Klimawandel

Kowalski: Waldumbau darf nicht nur wirtschaftliche Ziele im Blick haben

Berlin – Unserem Wald geht es schlecht: Sich stark vermehrende Eichenprozessionsspinner und Borkenkäfer, ausgetrocknete Böden, vertrocknende Waldbäume, die Zunahme von Waldbränden – all das sind Auswirkungen der Klimakrise, in der wir uns längst befinden. „Die durch Insektenbefall stark in Mitleidenschaft gezogenen forstlichen Monokulturen sollten uns ein Warnsignal sein“, so Heinz Kowalski, waldpolitischer Sprecher des NABU. Die sich abzeichnenden Trockenheitsprobleme bei den standortheimischen Laubbäumen seien sogar noch alarmierender. „Die Hitze macht derzeit den Klimawandel spürbar und die vielen durch Dürre und Borkenkäfer abgestorbenen und braun gewordenen Fichtenbestände machen ihn für viele Menschen sichtbar“, beschreibt Kowalski die Situation. „Die Entwicklung, die unsere Wälder gerade nehmen, ist besorgniserregend.“

Naturnahe Wälder und ihre Böden sind starke Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise. Bäume, die hundert und mehr Jahre alt werden, bieten die Chance, atmosphärischen Kohlenstoff längerfristig zu binden. Wenn die Wälder diese Funktion verlieren, verschärft sich die Situation des Klimawandels. Die Politik ist daher dringend gefordert, schnell wirksame Gegenmaßnahmen einzuleiten. Dazu gehören allen voran die zügige, konsequente und wirksame Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen. Darüber hinaus muss alles getan werden, um die Senkenfunktion der Wälder zu erhalten und durch Neupflanzungen mit Laubbäumen nach Möglichkeit zu verbessern. Dabei ist es nicht allein damit getan, neue, vermeintlich klimaresiliente Bäume anzupflanzen. Auch der Wasserhaltung in der Landschaft, der Fähigkeit des Waldes zur Naturverjüngung bei Vermeiden von Wildverbiss, der Bildung von Mischwäldern oder der Ausweisung von Waldwildnisgebieten muss die besondere Aufmerksamkeit gelten.

Die Tatsache, dass das Ziel des Naturschutzes von fünf Prozent Waldwildnis bis 2020 nicht erreicht werden wird, zeigt, welchen Stellenwert dem Wald von der Politik bisher eingeräumt wurde. Von der Politik fordert der NABU deshalb überarbeitete Waldbaukonzepte, die den Wald nicht unter dem Primat der wirtschaftlichen Nutzung betrachten, sondern gerade angesichts des voranschreitenden Klimawandels den vielfältigen Ökosystemleistungen breiten Raum einräumen.

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